Sonntag, April 17, 2005

The pot cooks Vol. 2

Donnerstag ab in die Stadt, um Briefmarken zu kaufen. Kein einziger freier Parkplatz selbst an abgelegensten Orten, die mir nur dank zehnjähriger Pfadfinderausbildung bekannt sind! Nach einer halben Stunden kurvte ich genervt nach Hause und fragte mich, was denn da wohl los sei.

Am Freitag startete ich einen neuen Versuch. Erfolgreich und mit Beantwortung meiner Frage. Ein Aufeinandertreffen der bundesdeutschen Drehorgelspieler in der Duisburger City. Nachdem ich die Postwertzeichen erworben hatte, kam mir die Idee, euch könnte ein Interview mit einem dieser das mediale Rampenlicht scheuenden Wirbelkistenakrobaten interessieren.

Allerdings hatte ich keine Lust, mich nochmals in das bunte Treiben zu stürzen. Aber wofür habe ich Jacky. Jacky? Na meine BP-Außenreporterin. Die Stimme der Jugend am Puls der Zeit. Noch immer kein Cent aus dem Gehirn gepoltert. Also gut, eine Kurzbiographie.

Meine Freundin Jacky heißt mit bürgerlichem Namen Jaqueline-Beatrice Kaschnirtzki. Wohnhaft in Duisburg-Bruckhausen. Wenn Marxloh Duisburgs Pendant der Bronx darstellt, ist Bruckhausen Schimanski Citys Haarlem. Fragt man die die zehnjährigen Jungen nach ihren Berufswünschen erhält man nur Drogendealer oder Zuhälter als Antwort. Dementsprechend sieht auch das Warenangebot in der grünen Lunge Duisburg in der Umgebung der Thyssen-Kokerei aus.

Jacky will allerdings weder Friseuse noch Prostituierte werden. Reportin heißt ihr Karriereziel. Allerdings kämpft sie mit fast achtzehn noch um den Hauptschulabschluss an der lokalen Gesamtschule. Ich lernte sie kennen, weil sie sich um ein Praktikum bei mir bewarb. Okay, dachte ich, geb dem Mädel eine Chance und führe sie in den investigativen Journalismus ein. Gutes Karma für die nächste Reinkarnation anhäufen, dass ich nicht wie Angela Merkel als Darmwurm in den Eingeweiden Joschka Fischers mein trübes Dasein fristen muss.

Die Kleine war auch vollauf begeistert und schob gleich ihren vom Minikleid nur spärlich bedeckten jugendlichen Hintern in die S-Bahn Richtung Centrum und lieferte gestern folgendes Interview ab.

Also, der Michael hat mich gefragt, ob ich mich mal mit einem dieser Leierkastenonkels in der Stadt unterhalten wollte. Ey, klar Alter, hab ich gesagt.

Direkt neben Karstadt hab ich nen älteren Herrn getroffen, der son altes Lied runterkurbelte. In the summertime heißt das, hat er mir gesagt. Also, der Orgel Freddy hat ganz weiße Haare und tut das schon seit sechzig Jahren machen. Das Lied ist übrigens auch vierzig Jahre alt. Boah, ob ich jemals so alt werde, habe ich mich gefragt. Egal, ich hab meinen MP3-Player mit Recording-Function rausgeholt.

BP: "Hi, ich bin Jacky und bin die Starreporterin vom Michael. Wie heißt denn du?"
OG: "Ich heiße Friedhelm Öhmekens, komme aus Ravensburg, aber mich nennt jeder nur Orgelfreddi."

BP: "Ich komme aus Duisburg, aber ist egal. Ey, jetzt erzähl mal, wie kommste dazu, ne Kurbel an sonnem komischen Kasten zu drehen? Und jetzt ma ehrlich, da kommt ja nicht so die tolle Musick raus."

OF: "Als ich mit dem Musizieren begann, gab es noch keine CDs. Einen Plattenspieler konnten sich meine Eltern auch nicht leisten. Wir hatten ein kleines Schuhmachergeschäft. In der Freizeit spielte mein Vater Drehorgel; er hat diese wunderschöne Tradition an mich weitergegeben."

BP: "Echt, wie geil ist das denn? Ich kenne meinen Alten nicht. Als ich drei war, hat er sich nach Mülheim abgesetzt. Hasttest du ne schöne Zeit als Teen?"

OG: "Kann man wohl sagen. Das Leben war härter als heute. Da keine öffentlichen Verkehrsmittel zwischen meinem Heimatdorf und Ravensburg verkehrten, musste ich jeden Tag zehn Kilometer hin- und zehn wieder zurücklaufen. Das hat mich geprägt."

BP: "Alter Schwede. Echt abgefahren, dieser Nature-Trip. Aber jetzt noch mal zu deiner Mucke. Kannste mit dem Kasten nicht irgendwelche geilen Klingeltöne runterloaden und abtunen? Ich steht mehr so auf R'n'B als auf diesen Folklorekram."

OF: "Es tut mir leid, dass dir meine Musik nicht so zusagt. Vielleicht ist die Drehorgel auch deshalb ein aussterbendes Instrument, weil die Melodien nicht dem temporären Zeitgeist huldigen. Mir gefallen sie jedenfalls."

BP: "Hä, hab ich nicht gecheckt, watte meinst. Egal, ich hoffe, dem Micha gefällt das Interview und see you soon, Freddi."

Ich hab das jetzt abgetippt, der Micha meint, ich soll mal selber machen, er liegt jetzt lieber in der Badewanne und ich soll euch auch schön von ihm grüßen.

Bis demnächst auf diesem Kanal. Ist echt voll cool, dieses Jornalismuszeux. Hoffe, ich darf bald wieder ran. Eure Jaqueline-Beatrice Kaschnirtzki, Klasse 10f, Gemeinschaftsgesamtschule Duisburg-Bruckhausen

PS: Geile Woche noch. Jacky yo check it up.

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