Dienstag, April 26, 2005

Der größte Feiertag im Jahr!

Das Wetter in der schönsten Region Deutschlands ist heute kalt und nieselig. Auf der Straße kreischen unentwegt die Sicherheitsvorkehrungen irgendwelcher Autos los und mein Stammdönerlokal ist seit zwei Monaten dicht. Grund zu Trübsal?

Mitnichten. Denn heute ist einer der größten Feiertage im Jahr. Der Income-Tax-Declaration-Day. Nein, hat nichts mit dem amerikanischen Unabhängigkeitstag zu tun. Viel besser: Ich werde heute meine Steuererklärung machen.

Früher war das Zusammenfassen von Zahlen für die Freunde vom Finanzamt ein Greul. Aber dann verriet mir mein Freund Volker seine Erfolgsstrategie. Volker besitzt einen gigantischen Versandhandel für Briefmarken und wird in Insiderkreisen "Der Pate von Quickborn" genannt. Klar, dass bei immensen Gewinnen eine opulente Steuererklärung anfällt.

In seiner Jugend drückte sich Volker immer um diese Aufgabe und ließ sich lieber vom Finanzamt taxieren, was in jedem Fall zu seinen Ungunsten ausfiel. Die Beamten nahmen nämlich an, dass er nicht bloss den deutschen, sondern auch den chinesischen, argentinischen und neuseeländischen Postwertzeichenmarkt beherrschte. Das Vertrauen der Damen und Herren ehrte ihn zwar, kostete aber unnötig Beträge in Millionenhöhe.

Da Volker aber nicht besonders kapitalistisch veranlagt ist, reichte die negative Motivation durchs Finanzamt nicht aus, um ihn zur Steuererklärung zu bewegen. Was machte der Kerl? Er gaukelte sich vor, die Steuererklärung sei ein Fest.

Ziemlich schlau, was? Der Tag ist rot im Kalender als Feiertag markiert. Somit ruhen an dem Tag alle sonstigen Geschäfte. Frühmorgens frühstückt er ausgiebig im Kreis der Familie, schlüpft in seinen besten Anzug und besucht eine kleine Quickborner Kapelle, um für geistigen Beistand zu beten.

Anschließend setzt er sich an den Rechner und addiert unter Beschallung von inspirierender Musik Ziffernkolonnen, heftet Belege zusammen und erhält am Ende ein für ihn mehr als befriedigendes Ergebnis. Seitdem freut er sich jedes Jahr auf die Abgabe der Steuererklärung.

Und seit ich diese Strategie übernommen habe, geht es mir genauso. Endorphine kreisen in ganzen Klumpen durch meine Blutbahn, wenn ich alleine das Wort Steuererklärung höre, denn es ist mittlerweile mit so vielen positiven Erinnerungen behaftet. Cool, Steuererklärung, ist meine erste Reaktion, wenn Freunde über diese Prozedur stöhnen.

In diesem Sinne, werde ich jetzt eine angemessene Krawatte anlegen, und mich dieser lustvollen Beschäftigung widmen.

LG Michael

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