Samstag, August 07, 2010

Thomas Klupp: Paradioso



Bad boys have more fun. So könnte man die Message dieses Romans zusammenfassen. Der Autor beschreibt die Reise seines Protagonisten Alex Böhm von seinem Studienort Potsdam zum Flughafen nach München, von wo er mit seiner Freundin in den Portugal-Urlaub starten will. Klingt nicht aufregend; ist es aber.

Auf seiner Tramper-Tour erlebt er die skurrilsten Verwicklungen, an denen er meistens selber Schuld hat. Grund: Er nimmt es mit der Wahrheit nicht genau, um jeden noch so kleinen Vorteil abzugreifen. Dazu benimmt er sich gerne vollpfostig.

So trifft er in der oberpfälzerischen Heimat seine Ex Leni wieder. Er beschläft sie noch mal, da er ihr offiziell nie mitgeteilt hat, dass er eine neue Flamme hat. Er begegnet auch einem Jugendfreund, dem er einen Film geklaut hat, mit dem er sich bei der Filmhochschule erfolgreich beworben hat. Als ein anderer Kumpel Leni die Augen öffnen will, schlägt er ihn bewusstlos.

Ein vollkommener Mistkerl könnte man denken. Aber Alex reflektiert sein Verhalten und verspürt latent einen vagen Veränderungswunsch. Er ist mit sich selber nicht glücklich, ist aber zu schwach, die zu ändern.

Ich persönlich kenne einige Leute, die ein Leben wie Alex führen. Glitzerfassade, dahinter Tristesse des Selbstzweifels. In dem Roman werden viele Möglichkeiten angedeutet, warum Menschen sich ein Leben aus Lügen erbauen. Unter anderem versucht es Alex allen recht zu machen, scheitert aber. Oder nicht? Der Roman beantwortet diese Frage letztendlich nicht.

Fazit: Paradiso ist ein unterhaltsamer, durchaus brillant geschriebener Roman, der mich außerdem zum Philosophieren verleitet. Was will man mehr.

Ich freue mich auf Thomas Klupps nächsten großen Wurf.

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