Dienstag, Februar 12, 2008

Ver-xing-t

Ja, es musste mal was passieren. Absolute Auftragsflaute. Nix mehr los seit nem Monat. Tote Hose. Nur deswegen bin ich auf diese Party gegangen. Weil ich gedacht hab, dass da vielleicht was bei rumkommt. Hab ich noch auf jeder Party erlebt, dass beim zehnten Bierchen Trudchen an zu jammern fing, dass ihr Gerd doch bestimmte jeder Menge anderer Pralinen vögele, nur nicht mehr sie selbst. Und wenn ich´s dann einigermaßen geschickt anstelle, macht erstens sie mir hübsche Augen und landet mit mir in der Kiste (hat ja schon lang nicht mehr...). Und zweitens beauftragt sie mich prompt zur Beschattung ihres Abtrünnigen, um mal knallharte Beweise auf dem Tisch zu haben.

Auf DIESER Party bin ich aber nur bis zum dritten Bierchen gekommen. Absolute Trinkzurückhaltung auf dieser Xing-Party, die Leute wollen Geschäfte machen, Visitenkarten austauschen und gut aussehen. Deswegen halten die sich zurück. Berufspech für mich.

Und nicht nur das: Bin noch anderweitig angebaggert worden. Neee, nicht das irgendwelche hübschen Weibchen Dieter Nannens tolle Tolle bewundern oder entzückt meine Wangen tätscheln. Neee, auf dieser Party herrschte nen ganz anderer Beat. Spricht mich ne fett Zugespachtelte an, becirced mich. Und will mir dann irgendson Aloe Vera-Zeugs verkaufen. Ertragreicher Nebenerwerb. Wenns im Hauptjob mal nicht so läuft. „Na ja, das mag son wenig an Tupperware erinnern, wenn Sie dann zu sich nach Hause einladen. Aber ich verspreche Ihnen, es handelt sich um absolut hochwertige Produkte. Mein Mann nimmt es auch schon seit drei Jahren. Und seine Neurodermitis ist völlig weg.“ Nein danke, so tief bin ich nun wirklich nicht gesunken. Da schnall ich lieber meinen Gürtel enger, bis irgendein Bulderaner wieder den Weg zu mir findet. Döner, dann komm ich!


www.xing.com

Songs about crime

Verbrechen haben schon immer Musik und Kunst inspiriert. Nicht nur Sex sondern auch Crime sells. Ich habe also mal versucht, einen kleinen Soundtrack zu einem Leben als Privatdetektiv zusammen zu stellen:

1 I Fought the Law - The Clash





2 For Reasons Unknown - The Killers (schon wegen des Namens ein MUSS)





3 Natural Born Killaz - Ice Cube & Dr Dre





4 Where The Wild Roses Grow - N. Cave & K. Minogue





5 Polly - Nirvana





6 Murder Rains - Ja Rules





7 Diane - Hüsker Dü





8 Bonnie & Clyde - Serge Gainsbourg & Brigitte Bardot





9 Indiana Wants Me - R Dean Taylor





10 Psycho Killer - Talking Heads






Wie wäre es mit einer eigenen Liste? Schreibt mir eure Favoriten als Kommentar in den Blog. Ich poste Eure Top 10.

Fingerabdrücke

Fingerabdrücke (oder Daktylogramme) entstehen wenn Fett und Schweiß von der Haut an den berührten Gegenständen haften bleibt. Sie alle kennen das Verfahren aus diversen Krimiserien. Der Ermittler verteilt vorsichtig farbiges Pulver (Graphitpulver) über die Fläche. Es haftet an dem Fett und voila...

Eine weitere Methode ist Cyanoacrylat. Das ist ein Hauptbestandteil von Sekundenkleber.


Ein wenig in den Flaschenverschluss und über die verdächtige Fläche geben. Das Cyanoacrylat vergast und es bleibt eine feste weiße Substanz zurück. Das ist der Teil, der mit dem Fett reagiert hat.



Da sich das Pulver in beiden Fällen schlecht transportieren lässt fotografieren oder scannen Sie den Abdruck.

Kein Fingerabdruck ist gleich. Dafür sorgen die Papillarleisten. Es gibt die groben Unterscheidungen (Schleifen, Windungen und Bögen), feinere Merkmale (Minutien) und die Porenstrukturen. Dauerhaft lässt er sich nur über Vernarbung verändern.

Über ihren gescannten Abdruck lässt der Computer einen Algorithmus laufen, der ein mathematisches Bild des Fingerabdruckes erstellt und speichert. Dieses wird dann mit anderen abgeglichen. Aus dieser Minutiendatei lässt sich übrigens kein Fingerabdruck mehr rekonstruieren.

Donnerstag, Januar 24, 2008

Frodos Pestatem

Aus dem Leben eines Landschnüfflers

Sie war erstens eine Kundin und hatte zweitens kein Geld. Normalerweise erlischt mein bei Punkt 1 erwachtes Interesse bei Kenntnis von Punkt 2 sofort. Bin schließlich Geschäftsmann, Inhaber der größten Bulderner Detektei, und nicht die Caritas. Naja, ist kein Kunststück werdet Ihr sagen: Laut Wikipedia bewohnen 5.828 schwarze Seelen diesen Flecken. Aber ohne Angeberei bezeichne ich mich als erfolgreichsten Schnüffler des südlichen, wenn nicht sogar des kompletten Münsterlandes. Das sind Pfunde, mit denen ich in meinem Marketing-Newsletter wuchere. Was nützen Fakten, wenn man sie nicht zum eigenen Vorteil ausposaunt? Aber ich schweife ein wenig ab.

Es war ein trister Novembertag. Westfälischer Fisselregen tränkte die Äcker und transformierte die Böden rings um meinen Bauernhof in eine matschige Seenlandschandschaft. Nur die Schafe mähten unverdrossen auf der Wiese vor meinem Anwesen, als gäbe es kein Morgen. Ansonsten waren die Bulderner Feldwege wie leergefegt. Mein Auftragsbuch war leer wie die Bierflaschen in meinem Keller. Endlich mal Zeit für die Steuer. Als ich gerade alle Unterlagen des vergangenen Jahres auf meinem Fußboden ausgebreitet hatte, Kaffee und Camel ohne in Position gebracht hatte. Klingelte es.

Ein Meter achtzig geballte Erotik. Rabenschwarzes Haar, zarte Augenbrauen, knabenhafte Figur, knackiger Hintern. Okay, ich geb zu, dass ich manchmal ein wenig oberflächlich bin. Mann, muss ich mehr sagen. Sehr visuell.
Sie hieß Christiane van der Weppen. Da raschelten in meinen Ohren die Euroscheine, alter westfälischer Adel. Aber nein, Harz 4 Empfängerin. Ihr Pudel Bilbo war entlaufen. Mitten in Buldern-City. War im Edeka-Lädchen gewesen und hatte ihn vor dem Geschäft an eine Laterne angeleint. Unzureichend. Als sie mit Käse, Wurst und der neusten Renate, irgendeiner Zeitschrift für die gebildete Frau von heute, nach draußen getreten war, konnte sie nicht mal einen Köttel von dem Wollknäul erblicken.

‚Ein Fall für Dieter Nannen?’, fragt Ihr zu Recht. Normalerweise nein. Für die zwanzig angebotenen Tacken hieve ich meinen Edelhintern nicht aus der Couch. Doch die fulminante Optik der Tante vernebelte meine Sinne. Auftrag angenommen, Steuerkrams auf einen Haufen gekickt und raus in den Regen. Eine Stunde Herumstromerns durch die Bulderner Gassen später war der Ausreißer gefunden. Schnüffelte gerade in einem Vorgarten am Hinterteil eines gedrungenen Mopses.

Als ich der Kundin die frohe Botschaft telefonisch übermittelte, überwältigte sie die Euphorie. Kenn ich so nicht; meine Kunden sind zufrieden, auf eine eher ruhige Weise. Westfalen neigen sowieso selten zu Gefühlsausbrüchen. Doch Christianes Endorphinproduktion schien zu explodieren. Ich sei Ihr Held, hätte ihr Leben gerettet, nur durch mich machte ihre Existenz wieder Sinn. Hallo? Ich hatte lediglich die Flohkolonie namens Bilbo wieder gefunden.

Und jetzt kommen wir zum interessanten Teil der Geschichte. Die Sahneschnitte lud mich zur Belohnung zu einem gemeinsamen DVD-Abend ein. Da hatte sich die Mühe doch einmal gelohnt. Auf was für Streifen ich stehen würde, fragte sie. Action, Splatter, Suspense, schoss ich aus meiner verbalen Pistole. Das ließe sich einrichten, ihre private Videothek sie in diesem Bereich gut ausgestattet. Kurz den leeren Terminer gecheckt und zugesagt. Mensch, jetzt vibrierten auch meine Neuronenbahnen. 20 Uhr bei ihr, zurrten wir das Date fest.

Zur Heute-Zeit ließ ich die Flimmerkiste dunkel. Schwarzes Hemd, Boss-Jeans, dunkelblaues Sacko. Ich sah aus, wie ein Teilnehmer des Detetective-Model-Contests.
Sharp eight klingelte ich beim etwas schäbigen Mehrfamilienhaus im Sandgrubenweg 33. Pudel Bilbo im Schlepptau. Die Begrüßung erinnerte an Szenen, als Papst Benedikt durch Colonia gegurkt war. Zunächst wurde das Vieh geherzt und abgeschleckt; ich wenigstens umarmt. Inbrünstig. Die psychedelischen Tapeten und abgewetzten Ikea-Teppiche im Wohnzimmer störten mich nicht mehr. Ich hatte nur mein Ziel im Visier. Einen kinästethisch prickelnd anregenden Abend mit meinem Groupie. Auf dem Pressholztisch von Roller mit knallig gelber Plastikdecke tummelten sich schon Chips und einige Krombacher-Kollegen. Hej, vielversprechend wäre zu diesem Zeitpunkt ein untertriebener Ausdruck gewesen.

Doch dann der Hammer. Das Objekt meiner Begierde schmiegte sich an mich und legte eine zarte Hand auf meine Augen.
„Rat mal, was wir uns heute anschauen.“
Da ich meine Wünsche klar geäußert hatte, gingen meine Mutmaßungen alle in eine Richtung.
„Terminator 2? Glimmerman? Vielleicht etwas Nachdenkliches? Desperado?“
Alles falsch. Als ich nach fünf Minuten langsam vor Spannung berstend die Augen öffnete, fielen mir die Pupillen aus dem Schädel.
„Wir schauen uns alle drei Teile von Herr der Ringe an, mein absoluter Lieblingsstreifen. Da ist alles drin, was Du von einem guten Film erwartest, mein Held.“
Irrtum! Gewaltiger Trugschluss! Nicht einmal rudimentäre Menschenkenntnis! Ich hasste sämtliche Fantasy-Produkte wie einen schmerzenden Eiterpickel in der Arschritze. Als die Filme ermals über die Leinwand flimmerten, konnte man kein Gespräch führen, ohne dass die Sprache auf Elben, Zwerge und sonstige Schleimbeutel kam, die mit unserer irdischen Realität nicht das Geringste zu tun haben. Für jeden toten Hobbit würde ich ein Monatsgehalt Kopfgeld latzen.
„Mein letzter Freund hat mich verlassen, weil ich zwei Monate ununterbrochen Tolkien verschlungen habe. Seine Romane reinigen mein Innerstes.“
Vollstes Verständnis für den Kumpel. Andererseits stand mir nach diesem cineastischen Martyrium das erotische Paradies offen. Also Klappe dicht und gute Miene zum finsteren Spiel.
„Ich mag diese putzigen Wuschelwesen genau wie Du“, war ich erstaunt, dass mir kein Pinocchio-Zinken aus der Visage ragte. Chris strahlte heller als der Atomreaktor von Tschernobyl.

Und so nahm der Abend seinen Lauf. Das Bier floss in Strömen, hauptsächlich in meine Kehle. Meine Gastgeberin starrte nur wie hypnotisiert auf die Mattscheibe. „Herrlich.“, „Ist der nicht süß?“, „So Gemein!“ sonderte sie als Konversation ab. „In der Tat.“;Wie ein Babypopo.“, „Hmhm“, glänzte ich auch nicht gerade mit rethorischem Feinschliff.
Immerhin kuschelte sich Christiane an mich; allerdings wurde jeder Versuch meinerseits den Kinoteil des Abends vorzeitig zu beenden durch harsches „Pst!“ im Keim erstickt.

Gefühlte dreißig Stunden später, stramm wie nach einer Kneipentour mit meinen Essener Kumpeln, ertönte endlich die Abspannmusik von Teil drei. Schrecklich wäre ein Euphemismus. Der Anblick von diesem widerlichen Fellgesocks hatte an meinen Eingeweiden gezerrt, sämtlich Köpersäfte in Eiter verwandelt und mich am ganzen Leib zittern lassen. Naja, ich übertreibe gerne, aber nur ein wenig. Dann endlich, endlich, endlich war jetzt Raum für Zärtlichkeit.

Chris hätte noch nie einen so sensiblen Mann wie mich getroffen, der auch noch ihre große Leidenschaft teilen würde. Gern ließ ich sie in dem Glauben. Und bald trafen sich unsere Münder, verwirrten, entwirrten und verwirrten sich Hände und Arme. Wechsel der Lokalität ins Wasserbett. Ich bin nicht gerade mit mangelndem Selbstbewusstsein gestraft, aber ohne Übertreibung: Ich bin der ultimative Liebhaber. Und daher geriet mein Chris, mein kleines Wonnehäschen mit dem schlechten Geschmack, schon bald in Ekstase.

Ihre Fingernägel krallten sich in meinen Rücken, ihr Gesicht verzerrte sich vor Wonne, sie stöhnte und schrie: „Besorgs’s mir so richtig, Frodo!“

Ich war wie gelähmt. „Was ist denn los? Mach weiter!“, flüsterte sie.
„Moment mal, was hast du da gesagt?“
„Besorg’s mir so richtig. Aber hör jetzt mit der Quatscherei auf.“
„Nee, das andere.“ – „Ach, Frodo, sorry, da ist meine Fantasie wohl mit mir durchgegangen. Aber Du stehst doch auch auf den niedlichen Wuschel, mein Superhobbit.“

Ich sprang auf, kleidete mich rasend schnell an und flüchtete. Unbefriedigt, undgeduscht und bis auf den mickrigsten Zellkern gedemütigt. So ein Fiasko.

Versteht mich nicht falsch. Ich bin ein harter Kerl, den nichts so leicht aus den Socken haut. Aber ich als Banging Hobbit? Grandiose Optik ist nicht alles; die mentalen Welten müssen aus meiner Sicht kompatibel sein. Chris’ und meine waren es definitiv nicht. Sie hat danach noch eine Woche mit meinem AB gequatscht, dann hat sie aufgegeben. Die zwanzig Euro Schnüfflerlohn habe ich abgeschrieben. Soviel ist mir Geld nicht wert.

Dienstag, Juni 19, 2007

Chiemsee

Komme gerade vom NLP am Chiemsee-Workshop zurück. Eine traumhaft schöne Zeit. Tolle Landschaft, nette Leute und mein persönliches Highlight: Der Schreibworkshop.

Die Idee hatte Steffi. Die Durchführung haben wir zusammen mit Annette geplant und in die Tat umgesetzt. Dabei ging es hauptsächlich darum, die Teilnehmer ans Schreiben zu bringen.

Zunächst haben wir ihnen eine Kindergeschichte vorgelesen, die viele Elemente guter Literatur enthält: Einfach, anschaulich und etwas verrückt. Anschließend haben wir sie auf eine Fantasiereise geschickt, wobei sie in Kontakt mit ihrer inneren kreativen Quellen traten.

Die Ergebnisse haben uns verblüfft. Trotz knapper Zeitressourcen haben 80% der Teilnehmer einen Text verfasst. Und die lassen sich wirklich hören.

Diese wurden am Samstag im Rahmen einer Preisverleihung dem fachkundigen Publikum vorgetragen. Ein großer Erfolg für jeden von uns. An dieser Stelle hunderttausend Dank an Steffi und Annette und jeden einzelnen Verfasser für dieses wunderschöne Erlebnis.

Weitere Workshops sind in Planung, denn unser Konzept hat sich als außerordentlich erfolgreich erwiesen.

Liebe Grüße Michael

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