Als Frau und Sohn zum Spaziergang aufbrechen, klingelt es an der Tür. Horst stürmt herein, im Mund die obligatorische Rot-Händle-Kippe, die unseren Flur sofort in dichte Rauchschwaden hüllt.
»Moin, Horst. Darf ich dich auf den Balkon bitten. Bei uns lebt ein Kind.«
»Deine Probleme möchte ich haben, Bresser«, grunzt Horst, läuft aber brav zum Balkon.
»Die habe mich am Arsch«, eröffnet er mir im Freien.
»Wer, warum, wie?«, fragte ich verwirrt.
»Ich haben einen Strafbefehl über 50.000 Euro erhalten. Die haben mich richtig an den Eiern und quetschen sie, bis ich vor Schmerzen kapituliere.« Er blickt über die Brüstung. »Wie hoch ist es eigentlich bis unten?«
»Mach keinen Mist, Horst.« Ich ziehe ihn vom Balkonrand weg. »Erzähl doch mal von Anfang an.«
»Was gibt es da groß zu erzählen? Bestechlichkeit im Amt. Groenewald soll 30 Riesen zahlen, Krischi Wulff 20. Bei mir machen Sie ein Fass auf und wollen 50. Kannst du mir was leihen?«
Ich öffne mein leeres Portemonnaie und halte es ihm vor die Nase.
»Sorry. Aber was hast du mit unserem ehemaligen Bundespräsidenten zu tun? Wo hast du dich bestechen lassen?«
Horst wird mir immer rätselhafter.
»Du kennst mich erst seit ein paar Wochen. Aber du musst nicht glauben, dass mir immer wie jetzt die Sonne aus dem Arsch schien. Vor zwei Jahren habe ich zufällig vor Wulffs Butze in Großburgwedel auf dem Bürgersteig übernachtet. Sein Chauffeur hat mich gesehen und weiterpennen lassen. Das war es.«
»Und Dein Vorteil?«
»Ich habe nichts Negatives über Wulff als Chefredakteur in meiner Obdachlosenzeitung Asphaltbote geschrieben. Da drehen die mir jetzt einen Strick draus. Aus dem Bürgersteig wurde in der Anklage die Honeymoon-Suite im Ritz-Carlton. Aus dem vertrockneten Brötchen, das ich Wulffs Tauben geklaut habe, wird ein Vier-Gänge-Menü bei Lafer. Der Dreck an meinen Klamotten stammt von einer Champagnerdusche mit Betti.«
»Alles gelogen«, stelle ich fest. Horst steckt sich eine neue Rot Händle zwischen die Lippen.
»Irgendjemand hat mich bei der BILD denunziert. Angeblich habe ich Kai Diekmann gedroht, ihm mit seinem Schmierblatt die Hühnerbrust zu branden.«
»Ein infame Lüge.«
»Nee, das stimmt. Aber dafür sollte man mir 50.000 zahlen, oder.«
»Und nun?«, frage ich.
»Du kennst dich doch mit Medien aus, Bresser. Ich verkaufe meine Story an die Praline. Die setzen mir barbusige Dekobunnies in die Butze. Mit denen fliege ich nach Begleichung meiner Schulden nach Saint Tropez und lasse auf Kosten der Zeitung die Sau raus. Was hältst du davon?«
»Du fährst, wenn auch unabsichtlich, den Karren in Dreck und profitierst noch davon? Fühlt sich für mich nicht richtig an.«
Horst blickt mich verächtlich an. »Dir fehlt jeglicher Weitblick. Nutze das Böse zu deinen Gunsten, so dass es sich ins Gegenteil umkehrt. Ich lasse mir viel nachsagen, aber nicht, dass ich dümmer bin als Christian Wulff.«
Böse Stimmen bezeichnen ihn als Mischung aus Mario Barth und Mr. Bean. Mit Recht. Homepage:www.rockdasdorf.de
Posts mit dem Label Groenewald werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Groenewald werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, April 02, 2013
Sonntag, April 01, 2012
Westfälisch by nature
Moin,
Dieter Nannen chattete mich an. Er quatscht im Netz unter dem Pseudonym Schnappatmung. Mensch kann sich sein Leben auch selber schwer machen.
DN: Was macht mein Autor eigentlich? Schon lange nichts mehr von Dir gehört. :-(
MB: Arbeiten, was sonst. Die letzten Ergüsse über Dein Leben liegen bei unserem Agenten.
DN: Agent? Ich glaube, Du bist ein fauler Sack. Meine Vita ist so interessant, dass euch die Verlage die Skripte aus den Händen reißen müssten.
MB: Fauler Sack ist ein wenig hat. Okay, ein wenig faul. Aber bisher wollte kein Verleger deine letzten beiden Abenteuer. Kann ich auch nicht verstehen. :-( Aber vielleicht solltest du ein Bühnenprogramm wie Mario Barth auf die Beine stellen. Das verkauft sich besser als Bücher. blol
DN: Was heißt blol?
MB: Bitter laugh out loud, habe ich selber kreiert.
DN: Keine Lust, schließlich habe ich einen vernünftigen Beruf. Im Gegensatz zu Dir. Du solltest wenigestens Dich mehr in sozialen Netzwerken tummeln. Facebook, Blog, Twitter und dieser Kram. Das haben sie mir auf einer Marketingveranstaltung der IHK Dülmen verraten.
MB: Mach ich doch, habe nur wenig Zeit.
DN: Laber nicht, das sind doch alles Ausreden. Schreib doch mal was Privates über Dich. Das wollen die Leute lesen, um mit Dir eine Verbindung auszubauen.
MB: Privates? Glaube ich nicht, Autoren führen ein selten langweiliges Leben.
DN: Bettina Wulff schreibt Ihre Memoiren, das wird ein Millionenprojekt. Orientier Dich an den Erfolgreichen, mein schmaler Freund.
MB: Maschi und Groenewald laden mich nicht ein. Hab' also nichts zu berichten.
DN: Du lebst doch jetzt in Hannover, oder. Wenn du dich etwas clever anstellst, ergibt sich was. Du solltest mehr unter die Leute gehen.
MB: Du, mein Facebook-Akku ist bald leer. Hast du noch was Wichtiges?
DN: Und privat?
MB: Gestern hatte ich Ausgang. War beim Halbfinale der UBC-Tigers gegen Vechta, Basketball 3. Liga.
DN: Mit Deinem Sohn?
MB: Nee, der hat sich gefreut, dass er sich mit meiner Frau ohne mich einen "gemütlichen Abend" machen durfte.
DN: Wie ist der denn drauf? Ich hätte meinen Alten auf Knien angefleht, mitkommen zu dürfen.
MB: Er wächst in Norddeutschland auf, die sind anders drauf als wir Westfalen. Er hat sich ein Video vom Titanic-Untergang angesehen und eine Flasche Mezzo-Mix getrunken. Die haben es hier lieber entspannt. Und ich muss sagen, das hat was für sich. Aber zum Fußballschauen in die Kneipe kommt er doch mit.
DN: Ist er 96-Fan?
MB: Da bringen wir ihn noch hin. RWE wird hier leider nicht gezeigt. Momentan freut er sich auf Currywurst mit Pommes und Malzbier.
DN: Kinder, die Currywurst mögen, werden brauchbare Erwachsene. Die kommt schließlich aus dem Pott.
MB: Aus Berlin, oder.
DN: Legenbildung. Die beste Currywurst der Welt gibt es in Wattenscheid beim Profi-Grill. Egal, woher die Phosphatschläuche kommen: Einmal Westfale, immer Westfale. :-)
MB: Genug geschnackt. Mein neuer Roman wartet auf mich.
Dieter Nannen chattete mich an. Er quatscht im Netz unter dem Pseudonym Schnappatmung. Mensch kann sich sein Leben auch selber schwer machen.
DN: Was macht mein Autor eigentlich? Schon lange nichts mehr von Dir gehört. :-(
MB: Arbeiten, was sonst. Die letzten Ergüsse über Dein Leben liegen bei unserem Agenten.
DN: Agent? Ich glaube, Du bist ein fauler Sack. Meine Vita ist so interessant, dass euch die Verlage die Skripte aus den Händen reißen müssten.
MB: Fauler Sack ist ein wenig hat. Okay, ein wenig faul. Aber bisher wollte kein Verleger deine letzten beiden Abenteuer. Kann ich auch nicht verstehen. :-( Aber vielleicht solltest du ein Bühnenprogramm wie Mario Barth auf die Beine stellen. Das verkauft sich besser als Bücher. blol
DN: Was heißt blol?
MB: Bitter laugh out loud, habe ich selber kreiert.
DN: Keine Lust, schließlich habe ich einen vernünftigen Beruf. Im Gegensatz zu Dir. Du solltest wenigestens Dich mehr in sozialen Netzwerken tummeln. Facebook, Blog, Twitter und dieser Kram. Das haben sie mir auf einer Marketingveranstaltung der IHK Dülmen verraten.
MB: Mach ich doch, habe nur wenig Zeit.
DN: Laber nicht, das sind doch alles Ausreden. Schreib doch mal was Privates über Dich. Das wollen die Leute lesen, um mit Dir eine Verbindung auszubauen.
MB: Privates? Glaube ich nicht, Autoren führen ein selten langweiliges Leben.
DN: Bettina Wulff schreibt Ihre Memoiren, das wird ein Millionenprojekt. Orientier Dich an den Erfolgreichen, mein schmaler Freund.
MB: Maschi und Groenewald laden mich nicht ein. Hab' also nichts zu berichten.
DN: Du lebst doch jetzt in Hannover, oder. Wenn du dich etwas clever anstellst, ergibt sich was. Du solltest mehr unter die Leute gehen.
MB: Du, mein Facebook-Akku ist bald leer. Hast du noch was Wichtiges?
DN: Und privat?
MB: Gestern hatte ich Ausgang. War beim Halbfinale der UBC-Tigers gegen Vechta, Basketball 3. Liga.
DN: Mit Deinem Sohn?
MB: Nee, der hat sich gefreut, dass er sich mit meiner Frau ohne mich einen "gemütlichen Abend" machen durfte.
DN: Wie ist der denn drauf? Ich hätte meinen Alten auf Knien angefleht, mitkommen zu dürfen.
MB: Er wächst in Norddeutschland auf, die sind anders drauf als wir Westfalen. Er hat sich ein Video vom Titanic-Untergang angesehen und eine Flasche Mezzo-Mix getrunken. Die haben es hier lieber entspannt. Und ich muss sagen, das hat was für sich. Aber zum Fußballschauen in die Kneipe kommt er doch mit.
DN: Ist er 96-Fan?
MB: Da bringen wir ihn noch hin. RWE wird hier leider nicht gezeigt. Momentan freut er sich auf Currywurst mit Pommes und Malzbier.
DN: Kinder, die Currywurst mögen, werden brauchbare Erwachsene. Die kommt schließlich aus dem Pott.
MB: Aus Berlin, oder.
DN: Legenbildung. Die beste Currywurst der Welt gibt es in Wattenscheid beim Profi-Grill. Egal, woher die Phosphatschläuche kommen: Einmal Westfale, immer Westfale. :-)
MB: Genug geschnackt. Mein neuer Roman wartet auf mich.
Labels:
Bettina Wulff,
Christian Wulff,
Currywurst,
Dieter Nannen,
Groenewald,
Hannover,
Maschmeyer,
Mein Schwein pfeift,
Michael Bresser,
Nordisch by nature,
Profi-Grill Wattenscheid,
Westfalen
Abonnieren
Posts (Atom)