Morgens beim Frühstück schwappt mir die Kaffee über den Tassenrand. In Horsts Wohnung rumst es, als würde gerade Sodom vernichtet. Wir schauen uns besorgt an. Vor allem, da es eine Minute später wieder kracht.
»Geh doch mal nach dem Rechten schauen«, schlägt meine Liebste vor. Ich haste los, vielleicht kann ich größeren Schaden verhindern.
Vorsichtig öffne ich die Wohnungstür, dann die Stubentür. In dem Rauch durchfluteten Raum entdecke ich eine Wäscheleine, die diagonal von der Decke am Fenster bis zur Türschwelle verläuft. Eine seltsame Konstruktion. Vor allem der Bierkasten voll zerbrochener Flaschen vor der Tür, der an dieser Wäscheleine hängt. Eine schöne Sauerei.
»Moin, Horst. Kegelst du mit Bierkästen?«, frage ich verblüfft.
»Es sieht doch jeder Blinde, dass ich arbeite, Bresser. Nur du nicht. Ich bereite meine Selbstständigkeit vor.«
»Wer bezahlt dich dafür, Flaschen zu zerstören?«
Horst fischt sein Roth-Händle-Päckchen aus seiner Jogginganzugsjacke.
»Das Projekt ist topsecret. Ich sage nur Horst Hawk. Eigentlich müsste ich dich eliminieren, nur weil du das Sperrgebiet betreten hast.« Horst zielt mit seiner Zigarette auf mich.
»Ich kann schweigen«, beteuere ich.
»Da hat mir deine Frau anderes erzählt, aber ich bin leichtgläubig. Mein Fallmanager hat mir den Tipp gegeben, dass Verteidigungsminister de Maizière Drohnen kauft. Habe ich in der Zeitung nachgelesen. Korrekt. Die baue ich jetzt auch.«
»Du hast doch keine Ahnung von Waffenkonstruktion. Ist das nicht ein gewagtes Vorhaben?«
Horst blickt mich verwirrt an. »Die Amis doch auch nicht. Trotzdem hat sie das Verteidigungsministerium gekauft. Außerdem ist Horst Hawk besser als dieser Euro-Hawk-Scheiß. Du siehst einen Taliban mit einer Kalaschnikow, beförderst Horst Hawk geladen mit süffigem Herri vor seine Füße, der probiert und vergisst alle Jungfrauen, die im Paradies auf ihn warten. Der de Maizière braucht dringend ein Erfolgserlebnis. Ich verscherbele ihm meine Super-Duper-Drohne für läppische 40 Millionen, und der Dödel bleibt im Amt. Ist ein Super-Deal für beide. Schreibst du mir ein Geschäftskonzept? Wenn wir das verkaufen, würde ich dir 39 Millionen abgeben. Ich bin bescheiden.«
Ich denke über Marten nach, der sich eine neue Eisenbahn wünscht. So richtig in Urlaub waren wir auch lange nicht mehr. Vielleicht ein eigenes Haus. Alles erfüllbar mit Horsts Millionen.
»Sorry, Horst. Ich arbeite nicht fürs Verteidigungsministerium. Mensch kann doch nicht ernsthaft für eine bessere Welt eintreten und selbst fürs Militär arbeiten.«
Horst öffnet ein Bier.
»Du bist und bleibst ein Blödmann, Bresser. Was meinst du, worauf Horst Hawk abzielt? Wir verkaufen noch diverse andere sinnlose Projekte an die Berliner Idioten, dann gehen die pleite und das Verteidigungsministerium wird abgeschafft. Tue Gutes und kassier dafür.«
»Meine Nackenhaare sträuben sich. Ist das nicht betrügerisch?«
Horst leert seine Flasche.
»Das ist Lobbyismus, Bresser. Politische Bildung würde dir guttun. Wir bekämpfen Nonsens mit Nonsens. Und wenn wir mit Deutschland fertig sind, verkaufen wir an die Taliban, Syrien und den Iran. Wenn ich auch sonst zu nicht viel tauge: In 10 Jahren habe ich den Weltfrieden sichergestellt. Prost.«
Böse Stimmen bezeichnen ihn als Mischung aus Mario Barth und Mr. Bean. Mit Recht. Homepage:www.rockdasdorf.de
Montag, Juni 17, 2013
Donnerstag, Juni 13, 2013
Die Lösung für "Wetten dass"
Als ich das Treppenhaus betrete, finde ich Horst auf unserem Absatz vor. Er trägt einen grauen Anzug und führt Liegestützen aus, als bereite er sich auf die nächste Turnweltmeisterschaft vor. Eine respektable Leistung, vor allem mit der stinkenden Roth-Händle im Mund, die vor sich hin pafft wie eine Dampflock.
»Moin, Horst. Trainierst du für Olympia?«
Horst lässt sich schnaufen auf den Boden sinken.
»Blödsinn, du Vollpfosten. Die ARGE meint, ich solle zum Fernsehen wechseln. Der Lanz steht auf der Kippe. Spätestens Anfang nächsten Jahres springe ich in die Bresche. Unterhalterqualitäten hätte ich, außerdem haben die meine ARGE-Kollegin Cindy aus Marzahn dort untergebracht.«
»Und warum übst du Liegestütze?«
Horst stöhnt.
»Noch nicht mal beim Fernsehen kennst du dich aus. Es werden Kandidaten aus dem Publikum in der sogenannten Horst-Wette gegen mich antreten. Liegestütze, Limbodance oder Wettpupsen, je nachdem was sich die Redakteure einfallen lassen.«
»Jetzt mal ganz im Ernst, Horst. Du hast doch keinerlei Erfahrungen in der Unterhaltungsbranche.«
»Jetzt muss ich lachen. Der Lanz doch auch nicht. Jetzt wird zwar Gottschalk glorifiziert, aber die Sendung war bereits zu seiner Zeit eine Einschlafhilfe für die Seniorenheime. Egal, ich werde dem in die Jahre gekommenen ehemaligen Flaggschiff der deutschen Fernsehunterhaltung zu neuen Höhenflügen verhelfen.«
Er tänzelt auf dem Treppenabsatz herum. »There’s no business like show-business. Cindy, ick komme.« Horst ähnelt wirklich dem jüngeren Frank Sinatra. Nur die Joggingjacke unter dem Sacko wirkt etwas befremdlich.
»Ich freue mich über deine Begeisterung. Aber du musst mit Weltstars wie Sharon Stone oder George Clooney schnacken, und nicht nur über Bier. Vor einem Millionenpublikum. Auf Englisch.«
»Ja, und?«, fragt Horst erstaunt. »Die Typen gehen auch aufs Klo, Bresser. Vor denen musst du keine Angst haben. Ich würde denen natürlich Fragen über nachhaltige Arbeit, den Weltfrieden und das große Glück stellen. Seichtes Gequatsche interessiert doch keinen. Das ist der Fehler von Herrn Lanz.«
»Ich fürchte, da irrst du dich, Horst. Die Öffentlichkeit möchte leicht, aber scheinbar anspruchsvoll unterhalten werden. Es darf sich keiner schämen, deine Sendung gesehen zu haben. Glück und Frieden interessieren die Zuschauer am Samstagabend wenig.«
Horst zieht eine neue Roth-Händle aus seinem Schuh und entzündet sie.
»Bresser, du Pessimist. Meinst du wirklich? Wenn das so ist, mache ich da nicht mehr mit. Selbst wenn meine Monatstantieme um einen Euro aufgestockt wird. Die großen Themen unserer Welt, sollte man selbst beim Limbo tanzen nicht vergessen. Prost.«
»Moin, Horst. Trainierst du für Olympia?«
Horst lässt sich schnaufen auf den Boden sinken.
»Blödsinn, du Vollpfosten. Die ARGE meint, ich solle zum Fernsehen wechseln. Der Lanz steht auf der Kippe. Spätestens Anfang nächsten Jahres springe ich in die Bresche. Unterhalterqualitäten hätte ich, außerdem haben die meine ARGE-Kollegin Cindy aus Marzahn dort untergebracht.«
»Und warum übst du Liegestütze?«
Horst stöhnt.
»Noch nicht mal beim Fernsehen kennst du dich aus. Es werden Kandidaten aus dem Publikum in der sogenannten Horst-Wette gegen mich antreten. Liegestütze, Limbodance oder Wettpupsen, je nachdem was sich die Redakteure einfallen lassen.«
»Jetzt mal ganz im Ernst, Horst. Du hast doch keinerlei Erfahrungen in der Unterhaltungsbranche.«
»Jetzt muss ich lachen. Der Lanz doch auch nicht. Jetzt wird zwar Gottschalk glorifiziert, aber die Sendung war bereits zu seiner Zeit eine Einschlafhilfe für die Seniorenheime. Egal, ich werde dem in die Jahre gekommenen ehemaligen Flaggschiff der deutschen Fernsehunterhaltung zu neuen Höhenflügen verhelfen.«
Er tänzelt auf dem Treppenabsatz herum. »There’s no business like show-business. Cindy, ick komme.« Horst ähnelt wirklich dem jüngeren Frank Sinatra. Nur die Joggingjacke unter dem Sacko wirkt etwas befremdlich.
»Ich freue mich über deine Begeisterung. Aber du musst mit Weltstars wie Sharon Stone oder George Clooney schnacken, und nicht nur über Bier. Vor einem Millionenpublikum. Auf Englisch.«
»Ja, und?«, fragt Horst erstaunt. »Die Typen gehen auch aufs Klo, Bresser. Vor denen musst du keine Angst haben. Ich würde denen natürlich Fragen über nachhaltige Arbeit, den Weltfrieden und das große Glück stellen. Seichtes Gequatsche interessiert doch keinen. Das ist der Fehler von Herrn Lanz.«
»Ich fürchte, da irrst du dich, Horst. Die Öffentlichkeit möchte leicht, aber scheinbar anspruchsvoll unterhalten werden. Es darf sich keiner schämen, deine Sendung gesehen zu haben. Glück und Frieden interessieren die Zuschauer am Samstagabend wenig.«
Horst zieht eine neue Roth-Händle aus seinem Schuh und entzündet sie.
»Bresser, du Pessimist. Meinst du wirklich? Wenn das so ist, mache ich da nicht mehr mit. Selbst wenn meine Monatstantieme um einen Euro aufgestockt wird. Die großen Themen unserer Welt, sollte man selbst beim Limbo tanzen nicht vergessen. Prost.«
Montag, Juni 10, 2013
Hannover frackt
Als ich die Wohnung verlasse, um im Salikum schreibenderweise die Seele baumeln zu lassen, stolpere ich über eine Kiste. Mit besten Grüßen von Horst, steht auf der beiliegenden Karte. Ich öffne den Karton. Acht Flaschen Champagner und drei Dosen Beluga-Kaviar. Woher hat Horst das Geld für solche Präsente?
Seine Wohnung finde ich verwaist vor, doch ich höre Stimmen aus dem Keller.
Ich treffe Horst zusammen mit einem breitschultrigen Mann, in dessen wallenden Vollbart Vögel verstecken spielen können. Er trägt einen beigen Pullunder über einer Latzhose. Horst trägt einen Nadelstreifenanzug, als wäre er Sprecher eines DAX-Unternehmens. Sehr befremdlich.
»Bresser, schön dass du da bist.«
So freundlich begrüßt mich Horst selten. »Moin, Horst. Danke für den Schampus.«
»Da nicht für, Bresser. Ich hab’s ja. Sollst auch nicht leben wie ein Hund.« Horst klopft mir gönnerhaft auf die Schulter. »Habt ihr eigentlich mal über einen Umzug nachgedacht? Hannover bietet viele schöne Viertel, wo dich die Muse küssen kann. Ihr braucht nicht ausgerechnet hier zu leben.«
»Auch andere Städte haben ihre Reize. Leipzig, Berlin, Bitterfeld?« Der Bärtige drückt mir einige Reiseführer in die Hand.
»Kannst du mich bitte aufklären, was das alles soll?«, frage ich Horst.
»Lange Geschichte, Bresser. Mein Fallmanager hat mir Beine gemacht. Ich soll klotzen, nicht kleckern. Selbständigkeit in einem zukunftsträchtigen Markt, hat er vorgegeben. Deshalb gründe ich jetzt die Horst AG und gehe unter die Fracker. Mensch, Bresser, ich bin aufgeregt wie ein Goldschürfer in Alaska, der einen gelben Schimmer im Fluss entdeckt hat.«
Horst holt einen Packung Dunhill aus der Anzugstasche.
»Mit gutem Recht, Herr Kroschinski. Wir packen das und scheffeln Millionen«, bekräftigt der Vollbart.
»Was zum Teufel ist ein Fracker?«, frage ich verblüfft.
»Erdgasförderung. Wir injizieren mehrere 100 Meter unter der Erde Flüssigkeiten, brechen das Gestein und fördern Gas mittels Bohrtürmen, mal ganz vereinfacht ausgedrückt.«
»Und wer ist dein Kollege hier?«
»Dr. Eberhard Ringmann. Ich betreue als Geologe die Horst AG in Gründung.«
Er wedelt angewidert Horsts Zigarettenrauch zur Seite.
»Und was soll diese Umzugsempfehlung?«, frage ich.
»Gut, dass du darauf zu sprechen kommst. Doc Ringmann hat ermittelt, dass unter unserem Haus gewaltige Gasvorkommen schlummern. Die wollen wir bergen. Wenn das Haus durch unsere Trupps abgerissen wird, können wir hier nicht mehr wohnen. Ist doch logisch, oder. Ich ziehe sowieso nach Isernhagen oder Burgwedel, wo erfolgreiche Unternehmer wie Dirk Rossmann und ich hausen.«
»Ich bitte dich, Horst. Willst du den ganzen Stadtteil abreißen? Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass es der Umwelt bekommt, wenn du Chemikalien in die Erde einleitest.«
Am liebsten würde ich jetzt auch rauchen, meine Wut braucht ein Ventil.
»Die Amis fracken seit Jahren. Die Umweltbedenken hatte ich auch, aber die Bereinigung der Arbeitslosenquote kommt vor Ökologie, sagt mein Fallmanager.«
»Horst geht an die Börse, verkauft mit Millionengewinn und setzt sich zur Ruhe. Dann schreibt er seine Biographie und scheffelt nochmals Millionen. Vorträge vor dem Bundestag, der UNO, Nobelpreis. Und das in fünf Jahren. Horst ist Visionär.«
Horst sackt zusammen.
»Und dann brauche ich nichts mehr zu tun?«
Ringmann klopft ihm auf die Schulter.
»Dann kannst du relaxen und lässt die anderen für dich arbeiten. Hast Zeit zum Philosophieren und kannst Zeitung lesen, wann du willst.«
»Das kann ich auch, ohne die Umwelt zu zerstören.« Horst knufft Ringmann. Dann holt er eine Flasche Herri aus seinem Aktenkoffer. »Ich denke ihr sucht euch einen anderen Nobelpreisträger und ich mir einen anderen Zirkus. Dunhill und Millionen sind einfach nicht meine Welt. Außerdem würde mir Bresser fehlen, wenn er nach Bitterfeld zieht. Irgendjemand muss mir schließlich die BILD vom Kiosk holen. Prost.«
Seine Wohnung finde ich verwaist vor, doch ich höre Stimmen aus dem Keller.
Ich treffe Horst zusammen mit einem breitschultrigen Mann, in dessen wallenden Vollbart Vögel verstecken spielen können. Er trägt einen beigen Pullunder über einer Latzhose. Horst trägt einen Nadelstreifenanzug, als wäre er Sprecher eines DAX-Unternehmens. Sehr befremdlich.
»Bresser, schön dass du da bist.«
So freundlich begrüßt mich Horst selten. »Moin, Horst. Danke für den Schampus.«
»Da nicht für, Bresser. Ich hab’s ja. Sollst auch nicht leben wie ein Hund.« Horst klopft mir gönnerhaft auf die Schulter. »Habt ihr eigentlich mal über einen Umzug nachgedacht? Hannover bietet viele schöne Viertel, wo dich die Muse küssen kann. Ihr braucht nicht ausgerechnet hier zu leben.«
»Auch andere Städte haben ihre Reize. Leipzig, Berlin, Bitterfeld?« Der Bärtige drückt mir einige Reiseführer in die Hand.
»Kannst du mich bitte aufklären, was das alles soll?«, frage ich Horst.
»Lange Geschichte, Bresser. Mein Fallmanager hat mir Beine gemacht. Ich soll klotzen, nicht kleckern. Selbständigkeit in einem zukunftsträchtigen Markt, hat er vorgegeben. Deshalb gründe ich jetzt die Horst AG und gehe unter die Fracker. Mensch, Bresser, ich bin aufgeregt wie ein Goldschürfer in Alaska, der einen gelben Schimmer im Fluss entdeckt hat.«
Horst holt einen Packung Dunhill aus der Anzugstasche.
»Mit gutem Recht, Herr Kroschinski. Wir packen das und scheffeln Millionen«, bekräftigt der Vollbart.
»Was zum Teufel ist ein Fracker?«, frage ich verblüfft.
»Erdgasförderung. Wir injizieren mehrere 100 Meter unter der Erde Flüssigkeiten, brechen das Gestein und fördern Gas mittels Bohrtürmen, mal ganz vereinfacht ausgedrückt.«
»Und wer ist dein Kollege hier?«
»Dr. Eberhard Ringmann. Ich betreue als Geologe die Horst AG in Gründung.«
Er wedelt angewidert Horsts Zigarettenrauch zur Seite.
»Und was soll diese Umzugsempfehlung?«, frage ich.
»Gut, dass du darauf zu sprechen kommst. Doc Ringmann hat ermittelt, dass unter unserem Haus gewaltige Gasvorkommen schlummern. Die wollen wir bergen. Wenn das Haus durch unsere Trupps abgerissen wird, können wir hier nicht mehr wohnen. Ist doch logisch, oder. Ich ziehe sowieso nach Isernhagen oder Burgwedel, wo erfolgreiche Unternehmer wie Dirk Rossmann und ich hausen.«
»Ich bitte dich, Horst. Willst du den ganzen Stadtteil abreißen? Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass es der Umwelt bekommt, wenn du Chemikalien in die Erde einleitest.«
Am liebsten würde ich jetzt auch rauchen, meine Wut braucht ein Ventil.
»Die Amis fracken seit Jahren. Die Umweltbedenken hatte ich auch, aber die Bereinigung der Arbeitslosenquote kommt vor Ökologie, sagt mein Fallmanager.«
»Horst geht an die Börse, verkauft mit Millionengewinn und setzt sich zur Ruhe. Dann schreibt er seine Biographie und scheffelt nochmals Millionen. Vorträge vor dem Bundestag, der UNO, Nobelpreis. Und das in fünf Jahren. Horst ist Visionär.«
Horst sackt zusammen.
»Und dann brauche ich nichts mehr zu tun?«
Ringmann klopft ihm auf die Schulter.
»Dann kannst du relaxen und lässt die anderen für dich arbeiten. Hast Zeit zum Philosophieren und kannst Zeitung lesen, wann du willst.«
»Das kann ich auch, ohne die Umwelt zu zerstören.« Horst knufft Ringmann. Dann holt er eine Flasche Herri aus seinem Aktenkoffer. »Ich denke ihr sucht euch einen anderen Nobelpreisträger und ich mir einen anderen Zirkus. Dunhill und Millionen sind einfach nicht meine Welt. Außerdem würde mir Bresser fehlen, wenn er nach Bitterfeld zieht. Irgendjemand muss mir schließlich die BILD vom Kiosk holen. Prost.«
Samstag, Juni 08, 2013
Sohn 4.0
Schnack mit Marten
Michael: Manchmal hörst du wirklich schlecht auf uns. Wenn's zum Beispiel um Hausaufgaben und das I-Pad geht. Da könnte sich bessern.
Marten: Da vertröste ich dich auf den 25.06., Michael.
Michael: Da hast du Geburtstag. Was soll da passieren?
Marten: Genau, ich werde 10 und bekomme im Schlaf eine neue Software mit besserer Spracherkennung aufgespielt. Dann bin ich euer Marten 4.0.
Michael: Aha. Und dieser Marten 4.0 gehorcht besser?
Marten (rollt die Augen): Michael, das weiß ich doch nicht. Bei den Microsoft-Updates sind auch immer jede Menge Bugs enthalten. Ich verspreche nur, dass es anders wird. Ob es besser wird, muss die Praxis zeigen.
Michael: Manchmal hörst du wirklich schlecht auf uns. Wenn's zum Beispiel um Hausaufgaben und das I-Pad geht. Da könnte sich bessern.
Marten: Da vertröste ich dich auf den 25.06., Michael.
Michael: Da hast du Geburtstag. Was soll da passieren?
Marten: Genau, ich werde 10 und bekomme im Schlaf eine neue Software mit besserer Spracherkennung aufgespielt. Dann bin ich euer Marten 4.0.
Michael: Aha. Und dieser Marten 4.0 gehorcht besser?
Marten (rollt die Augen): Michael, das weiß ich doch nicht. Bei den Microsoft-Updates sind auch immer jede Menge Bugs enthalten. Ich verspreche nur, dass es anders wird. Ob es besser wird, muss die Praxis zeigen.
Montag, Juni 03, 2013
Horst geht nach Bayern
Es gibt Dinge, die gibt es nicht. Gibt es sie doch, sollte es sie nicht geben. Als ich Horst eine Tüte Tomaten aus unserer Biokiste vorbeibringe, empfängt mich eine akustische Dusche aus bayrischer Blasmusik. Mir quillt vor Schmerz das Schmalz aus den Ohren. Horst tanzt in einer Krachledernen Schuhplattler. Seine blaue Joggingjacke hat er gegen eine von Bayern München ausgetauscht.
»Moin, Horst. Was soll dieses ekelhafte Outfit?«, brülle ich.
Widerwillig drosselt Horst die Folterklänge.
»Was ist? Siehst du nicht, dass ich beschäftigt bin!«
»Was machst du da?«
»Liegt doch auf der Hand. Die Bayern haben Mario Götze verpflichtet, nun wollen sie mich auch. Daher versuche ich, mich in die süddeutsche Lebensart einzuleben. Schwierig, ich mag einfach kein Weizenbier.« Er steckt sich eine Roth Händle an und nippt am Herri.
»Götze ist ein Fußballsöldner.«
»Du Depp. Die Karriere des Jungen dauert doch maximal 15 Jahre. Da muss es zusehen, wo er bleibt. Wenn Bayern ihm zwei Millionen mehr im Jahr zahlt, braucht er nach Feierabend keine Pizza mehr auszufahren.«
»Und was wollen die mir dir? Du kickst doch ziemlich suboptimal, selbst passiv. Nach einer Dopingprobe dürftest du lebenslang gesperrt werden.«
Horst schaut mich verzweifelt an.
»Bresser, dein Hirn ist leerer als die Bitterfelder Vergnügungsmeile. Seit wann spielt die ARGE Fußball? Ich soll mich in München als bedürftig melden. Die zahlen die höchsten Hartz-Tantiemen, sagt mein Fallmanager. Dafür könne ich mir vier Kästen Herri zusätzlich leisten.«
»Du bist manchmal ganz schön naiv, Horst. In München sind die Lebenshaltungskosten wesentlich höher als in Niedersachsen. Deshalb bekommst du mehr. Wenn du einmal durch Schwabing bummelst, ist dein Monatseinkommen aufgebraucht.«
»Bei deinen verzweifelten Gegenargumenten, könnte ich fast glauben, dass dir etwas an mir liegt. Aber darauf falle ich nicht rein. Mein linker Zeh hat mir geflüstert, dass du jämmerlicher Gutmensch meine Butze als Gemüselager anmieten willst.«
Ich atme auf.
»Also bleibst du?«
»Ich bin nicht käuflich. Wenn die mir einen Job als Leergutsammler oder Chefkomiker des Bayrischen Rundfunks angeboten hätten, würde ich vielleicht umziehen. Das würde mich erfüllen. Glück ist keine Frage des Geldes oder des Wohnorts sondern des inneren Friedens.«
»Und du bist glücklich?«
Horst entzündet eine Roth-Händle und umhüllt seinen Körper mit Rauch.
»Wer sich so gründlich wie ich mit dem Delirium beschäftigt, begegnet unweigerlich Gott. Und die junge Dame hat mir erzählt, dass alles gut ist. Bei Götze und mir. Nur die ARGE besitzt Optimierungspotenzial. Genug gequatscht. Ich meditiere jetzt eine Runde. Prost, Bresser.«
»Moin, Horst. Was soll dieses ekelhafte Outfit?«, brülle ich.
Widerwillig drosselt Horst die Folterklänge.
»Was ist? Siehst du nicht, dass ich beschäftigt bin!«
»Was machst du da?«
»Liegt doch auf der Hand. Die Bayern haben Mario Götze verpflichtet, nun wollen sie mich auch. Daher versuche ich, mich in die süddeutsche Lebensart einzuleben. Schwierig, ich mag einfach kein Weizenbier.« Er steckt sich eine Roth Händle an und nippt am Herri.
»Götze ist ein Fußballsöldner.«
»Du Depp. Die Karriere des Jungen dauert doch maximal 15 Jahre. Da muss es zusehen, wo er bleibt. Wenn Bayern ihm zwei Millionen mehr im Jahr zahlt, braucht er nach Feierabend keine Pizza mehr auszufahren.«
»Und was wollen die mir dir? Du kickst doch ziemlich suboptimal, selbst passiv. Nach einer Dopingprobe dürftest du lebenslang gesperrt werden.«
Horst schaut mich verzweifelt an.
»Bresser, dein Hirn ist leerer als die Bitterfelder Vergnügungsmeile. Seit wann spielt die ARGE Fußball? Ich soll mich in München als bedürftig melden. Die zahlen die höchsten Hartz-Tantiemen, sagt mein Fallmanager. Dafür könne ich mir vier Kästen Herri zusätzlich leisten.«
»Du bist manchmal ganz schön naiv, Horst. In München sind die Lebenshaltungskosten wesentlich höher als in Niedersachsen. Deshalb bekommst du mehr. Wenn du einmal durch Schwabing bummelst, ist dein Monatseinkommen aufgebraucht.«
»Bei deinen verzweifelten Gegenargumenten, könnte ich fast glauben, dass dir etwas an mir liegt. Aber darauf falle ich nicht rein. Mein linker Zeh hat mir geflüstert, dass du jämmerlicher Gutmensch meine Butze als Gemüselager anmieten willst.«
Ich atme auf.
»Also bleibst du?«
»Ich bin nicht käuflich. Wenn die mir einen Job als Leergutsammler oder Chefkomiker des Bayrischen Rundfunks angeboten hätten, würde ich vielleicht umziehen. Das würde mich erfüllen. Glück ist keine Frage des Geldes oder des Wohnorts sondern des inneren Friedens.«
»Und du bist glücklich?«
Horst entzündet eine Roth-Händle und umhüllt seinen Körper mit Rauch.
»Wer sich so gründlich wie ich mit dem Delirium beschäftigt, begegnet unweigerlich Gott. Und die junge Dame hat mir erzählt, dass alles gut ist. Bei Götze und mir. Nur die ARGE besitzt Optimierungspotenzial. Genug gequatscht. Ich meditiere jetzt eine Runde. Prost, Bresser.«
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