Vor dem Eingang von Horsts Bude stehen eingetopfte Sonnenblumen. Das finde ich vernünftig. Im Roth Händle Qualm würde jedes Grünzeug ersticken. Dennoch finde ich es befremdlich, in Horsts Umkreis Pflanzen zu sichten.
»Moin, Horst. Bist du unter die Gärtner gegangen?«
Seltsamerweise habe ich heute freie Sicht. Keine Rauschwaden, es wurde auch frisch gelüftet.
»Möchtest du einen Yogitee, Bresser?«
»Was ist los? Ich mache mir wirklich Sorgen.«
»Weil ich mein Leben verändere? Du bist so eingefahren, dass du noch nie im Leben eine andere Sorge Klopapier gekauft hast, Bresser. Veränderungen bereichern das Leben.«
»Es kommt nur etwas plötzlich. Hast du eine neue Freundin?«
»Du Dünnbrettbohrer denkst auch nur an Sex. Ich habe meine politische Bestimmung gefunden. Cem Özdemir hat mich aufgeklärt.«
»Der Bundesvorsitzende der Grünen war bei Dir?«
»Nee. Nach der Bonusmeilenaffäre reist er nicht so gerne. Deshalb hat er nur angerufen. Ein integrer Mann. Da kann sich selbst Angie noch eine Scheibe von abschneiden.«
»Aber er hat doch einen Privatkredit von einem PR-Berater zu Geschenkkonditionen angenommen.«
»Du bist ein widerlicher Pharisäer, Bresser. Er wusste doch nicht, dass das politisch nicht astrein ist. Hat er später gespendet. Wir werden das noch mal bei einem Brennnesseltee beschnacken. Aber das Wahlprogramm ist Bombe.«
»Aha?«
»Wenn die Grünen stärkste Fraktion werden, wird der Liter Sprit 6 Euro kosten. Ist das nicht geil?«
»Ich bin aufs Auto angewiesen. Das könnte ich mir nicht mehr leisten.«
»Das ist mir so was von Latte. Ich habe noch nie einen Wagen besessen. Diese Turbökosteuer wird dazu verwendet, die Hartz-4-Sätze zu erhöhen, damit wir uns biologisch angebaute Produkte und fair produzierte Fahrräder leisten können. Ist das nicht fantastisch.«
»Sicher. Und was bleibt für die arbeitende Bevölkerung übrig?«
»Finanziell natürlich nichts, du Flachpfeife. Aber du hast ein ruhiges Gewissen, weil euer Sohn noch Frischluft atmen kann.«
Horst steckt sich eine Roth Händle an. »Außerdem sollte er nicht in meine Wohnung kommen.«
»Ich dachte, Cem hätte dich überzeugt, das Rauchen aufzugeben?«
»Nur der Wankelmut ist beständig, Bresser. Ich probiere jedes Weltbild begeistert aus, bevor ich es aufgebe. Prost.«
Böse Stimmen bezeichnen ihn als Mischung aus Mario Barth und Mr. Bean. Mit Recht. Homepage:www.rockdasdorf.de
Montag, April 29, 2013
Donnerstag, April 25, 2013
FKK am Mittellandkanal
Horst hat seine Wohnung umdekoriert. Seit seinem Einzug verschönerte ein Bruce Springsteen Poster aus den 1970ern die Wohnzimmerwand. Nun hängen dort Bilder von nackten Menschen, Männern und Frauen. Aber nicht gerade Schönheiten aus dem Playboy. Eher Lieschen und Otto Müller vom Kiosk nebenan. Falten und Brauereigeschwüre in Nahaufnahme.
»Moin, Horst. Bist du unter die Voyeure gegangen?«, frage ich die Roth-Händle-Wolke um das Sofa, in der ich Horst vermute.
»Meinst du die Adams und Evas an der Wand? Wundert mich nicht, dass du auf schmutzige Gedanken kommst. Die Bilder gehören zur Geschäftsausstattung meines Unternehmens.«
»Unternehmen?«
»Mein Fallmanager hat mir mitgeteilt, dass ich schwer vermittelbar wäre. Zu individualistisch für den Arbeitsmarkt von Merkel-Deutschland. Ich solle mir meine Nische suchen und selber durchstarten.«
Horst taucht aus der Rauchwolke auf und öffnet eine Flasche Herri.
»Lass mich raten: Deine Nische heißt Aktphotographie.«
»Du denkst immer eindimensional wie ein Krokodilgehirn mit drei Zellen, Bresser. Mein Fallmanager hat sich richtig Mühe gegeben. Er hat mich gefragt, was ich am liebsten mache.«
»Rauchen?«
»Fast. Am liebsten sitze ich mit einer Flasche Bier in der Badewanne und höre Bruce Springsteen. Fand er gut. Da solle ich ein Unternehmen draus machen. Gibt auch Förderung von Vatter Staat.«
»Mir fällt kein Unternehmen ein, dass Geld mit Baden und Biertrinken verdient.«
»Liegt doch auf der Hand. Ich werde einen FKK-Badeclub eröffnen. Die Leute planschen auf meinem Areal und vernichten Unmengen an Bier, Cola und Thüringer Bratwürstchen. Mein Verdienst.«
»Es gibt hier aber kein Meer. Wo sollen deine Gäste baden?«
»Am Mittellandkanal. Das Gebiet ist von der Tourismusindustrie unentdeckt. Meine Chance.« Horst freut sich.
»Schreibt mir deine Frau einen Businessplan? Bezahlt das Amt. Die glauben an mich. Zum ersten Mal.« Horst kichert diabolisch. »Ich werde es euch allen zeigen.«
»Nur mal in den Raum geunkt. Könnte es nicht sein, dass es bisher keinen FKK-Club am Mittellandkanal gibt, weil es sich nicht rentiert? Und dein Fallmanager ist nur deshalb euphorisch, weil du aus der Arbeitslosenstatistik verschwindest.«
»Dein Pessimismus kotzt mich an, Bresser. Natürlich wird meine Geschäftsidee der Renner. Weißt du warum die Leute gerne FKK betreiben? Sie sind es leid, sich mit in vierter Welt gewebten Markenklamotten auszustaffieren. Bei mir können sie die Masken der Konsumgesellschaft fallen lassen und ganz sie selbst sein. Ich bin mir sicher: Dafür hopsen sie gerne nackt in den Mittellandkanal. Prost.«
»Moin, Horst. Bist du unter die Voyeure gegangen?«, frage ich die Roth-Händle-Wolke um das Sofa, in der ich Horst vermute.
»Meinst du die Adams und Evas an der Wand? Wundert mich nicht, dass du auf schmutzige Gedanken kommst. Die Bilder gehören zur Geschäftsausstattung meines Unternehmens.«
»Unternehmen?«
»Mein Fallmanager hat mir mitgeteilt, dass ich schwer vermittelbar wäre. Zu individualistisch für den Arbeitsmarkt von Merkel-Deutschland. Ich solle mir meine Nische suchen und selber durchstarten.«
Horst taucht aus der Rauchwolke auf und öffnet eine Flasche Herri.
»Lass mich raten: Deine Nische heißt Aktphotographie.«
»Du denkst immer eindimensional wie ein Krokodilgehirn mit drei Zellen, Bresser. Mein Fallmanager hat sich richtig Mühe gegeben. Er hat mich gefragt, was ich am liebsten mache.«
»Rauchen?«
»Fast. Am liebsten sitze ich mit einer Flasche Bier in der Badewanne und höre Bruce Springsteen. Fand er gut. Da solle ich ein Unternehmen draus machen. Gibt auch Förderung von Vatter Staat.«
»Mir fällt kein Unternehmen ein, dass Geld mit Baden und Biertrinken verdient.«
»Liegt doch auf der Hand. Ich werde einen FKK-Badeclub eröffnen. Die Leute planschen auf meinem Areal und vernichten Unmengen an Bier, Cola und Thüringer Bratwürstchen. Mein Verdienst.«
»Es gibt hier aber kein Meer. Wo sollen deine Gäste baden?«
»Am Mittellandkanal. Das Gebiet ist von der Tourismusindustrie unentdeckt. Meine Chance.« Horst freut sich.
»Schreibt mir deine Frau einen Businessplan? Bezahlt das Amt. Die glauben an mich. Zum ersten Mal.« Horst kichert diabolisch. »Ich werde es euch allen zeigen.«
»Nur mal in den Raum geunkt. Könnte es nicht sein, dass es bisher keinen FKK-Club am Mittellandkanal gibt, weil es sich nicht rentiert? Und dein Fallmanager ist nur deshalb euphorisch, weil du aus der Arbeitslosenstatistik verschwindest.«
»Dein Pessimismus kotzt mich an, Bresser. Natürlich wird meine Geschäftsidee der Renner. Weißt du warum die Leute gerne FKK betreiben? Sie sind es leid, sich mit in vierter Welt gewebten Markenklamotten auszustaffieren. Bei mir können sie die Masken der Konsumgesellschaft fallen lassen und ganz sie selbst sein. Ich bin mir sicher: Dafür hopsen sie gerne nackt in den Mittellandkanal. Prost.«
Montag, April 22, 2013
Horst rettet den Flughafen Berlin
Als ich morgens das Treppenhaus betrete, weiß ich, dass hier etwas nicht stimmt. Gar nicht stimmt. Vor Horsts Tür steht eine Kiste Herri mit der Aufschrift »Wo Platz is‘«. Ich wusste bisher nicht, dass Bierflaschen traurig aussehen können. Nun weiß ich es.
Horsts Wohnungstür ist offen. Mit der Rot Händle in der Rechten versucht seine Linke das Sofa zu verrücken.
»Moin Horst, was ist denn los?«, frage ich in banger Erwartung.
»Die ARGE will mich töten. Ich soll umziehen.«
»In eine kostengünstigere Wohnung?«
»Nee, die 80 € Miete sind gerade noch okay, sagt mein Fallmanager. Die haben mir jetzt wirklich einen Job vermittelt. In Berlin. Ausgerechnet im ärmsten Mülleimer Deutschlands.«
»Als Stadt finde ich Berlin toll. Was sollst du denn machen?«
Horst hält mittlerweile die 3 Rot Händle in der Hand. Gleichzeitig.
»Ich hätte mir denken können, dass dir dieser Moloch gefällt, Bresser. Geh du doch! Ich liebe Hannover. Aber der Job ist schlimmer als die Stadt. Ich soll Hartmut Mehdorns Pressesprecher werden.«
»Wieso das? Braucht der keine –verzeih mir- kompetente Person?«
»Kompetenz war nie Einstellungskriterium der Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH, du Flachpfeife. Nee, die haben festgestellt, dass dieses Milliardengrab auch 2020 noch nicht fertiggestellt wird. Das kann aber unmöglich Mehdorn der Öffentlichkeit mitteilen? Ergo…« Horst zeigt auf sich und wirkt noch kümmerlicher als sonst.
»Du sollst Mehdorns Glaeseker spielen. Den Depp, der alles verbockt hat«, stelle ich fest.
»Endlich raschelst du auch was. Ich soll sagen, dass ich die persönliche Verantwortung übernehme, und alle anderen Vollpfosten sind fein raus.«
»Aus ihrer Sicht ein logischer Schritt. Für dich ziemlich ätzend. Ich bin froh, dass ich noch keinen Flughafen in den Sand gesetzt habe.«
»Die Stelle wollte niemand haben. Also haben die ARGEs in ganz Deutschland einen Dödel ausgelost. Mich. Mein Inventar, als die Bierkiste im Flur und mein Sofa, werden noch heute abgeholt. Wegen der Dringlichkeit.«
»Hol dir doch ein Attest.«
»Ich bin kein Weichei wie du, Bresser. Ich möchte nur kein prekäres Arbeitsverhältnis mehr. Ist doch nicht schwer zu verstehen.«
Horsts Telefon klingelt.
»JA!«, bellt er in die Muschel. »Oh, das sind ja gute, äh schlechte Nachrichten. Würde mich freuen, wenn Sie das nächste Mal an mich denken.«
»Gott sei Dank.« Horst bekreuzigt sich und öffnet eine Flasche Herri.
»Was ist. Erzähl schon«, dränge ich.
»Ein Irrtum. Die haben diesen Piratenfuzzi Ponader auslost. Dem glaubt man eher, dass er den Flughafen verbockt hat. Ich sei zu intelligent. Ich bleibe hier.«
»Auch wenn ich nicht weiß warum, freut mich das«, bekenne ich.
»Freu dich nicht zu früh. Mein Fallmanager hat irgendwas von Stuttgarter Bahnhof gefaselt.«
Horsts Wohnungstür ist offen. Mit der Rot Händle in der Rechten versucht seine Linke das Sofa zu verrücken.
»Moin Horst, was ist denn los?«, frage ich in banger Erwartung.
»Die ARGE will mich töten. Ich soll umziehen.«
»In eine kostengünstigere Wohnung?«
»Nee, die 80 € Miete sind gerade noch okay, sagt mein Fallmanager. Die haben mir jetzt wirklich einen Job vermittelt. In Berlin. Ausgerechnet im ärmsten Mülleimer Deutschlands.«
»Als Stadt finde ich Berlin toll. Was sollst du denn machen?«
Horst hält mittlerweile die 3 Rot Händle in der Hand. Gleichzeitig.
»Ich hätte mir denken können, dass dir dieser Moloch gefällt, Bresser. Geh du doch! Ich liebe Hannover. Aber der Job ist schlimmer als die Stadt. Ich soll Hartmut Mehdorns Pressesprecher werden.«
»Wieso das? Braucht der keine –verzeih mir- kompetente Person?«
»Kompetenz war nie Einstellungskriterium der Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH, du Flachpfeife. Nee, die haben festgestellt, dass dieses Milliardengrab auch 2020 noch nicht fertiggestellt wird. Das kann aber unmöglich Mehdorn der Öffentlichkeit mitteilen? Ergo…« Horst zeigt auf sich und wirkt noch kümmerlicher als sonst.
»Du sollst Mehdorns Glaeseker spielen. Den Depp, der alles verbockt hat«, stelle ich fest.
»Endlich raschelst du auch was. Ich soll sagen, dass ich die persönliche Verantwortung übernehme, und alle anderen Vollpfosten sind fein raus.«
»Aus ihrer Sicht ein logischer Schritt. Für dich ziemlich ätzend. Ich bin froh, dass ich noch keinen Flughafen in den Sand gesetzt habe.«
»Die Stelle wollte niemand haben. Also haben die ARGEs in ganz Deutschland einen Dödel ausgelost. Mich. Mein Inventar, als die Bierkiste im Flur und mein Sofa, werden noch heute abgeholt. Wegen der Dringlichkeit.«
»Hol dir doch ein Attest.«
»Ich bin kein Weichei wie du, Bresser. Ich möchte nur kein prekäres Arbeitsverhältnis mehr. Ist doch nicht schwer zu verstehen.«
Horsts Telefon klingelt.
»JA!«, bellt er in die Muschel. »Oh, das sind ja gute, äh schlechte Nachrichten. Würde mich freuen, wenn Sie das nächste Mal an mich denken.«
»Gott sei Dank.« Horst bekreuzigt sich und öffnet eine Flasche Herri.
»Was ist. Erzähl schon«, dränge ich.
»Ein Irrtum. Die haben diesen Piratenfuzzi Ponader auslost. Dem glaubt man eher, dass er den Flughafen verbockt hat. Ich sei zu intelligent. Ich bleibe hier.«
»Auch wenn ich nicht weiß warum, freut mich das«, bekenne ich.
»Freu dich nicht zu früh. Mein Fallmanager hat irgendwas von Stuttgarter Bahnhof gefaselt.«
Freitag, April 19, 2013
Welttag des Buches
Zum Welttag des Buches am 23.04. verlose ich 3 x 1 Exemplar meiner Bücher "Schwein gehabt", "Die Sau ist tot" und "Den Letzten beißt das Schwein". Bitte Mail bis 23.04. 23.59 Uhr an michael.bresser(at)blackpublications.de. Ich benachrichtige die Gewinner umgehend. Viel Glück und ein fantastisches Wochenende.
Donnerstag, April 18, 2013
Franziskus, der Underground-Pope
Horst sitzt morgens vor der Haustür und hält seine nackten Füße in die Sonne.
»Moin Horst, genießt du den Frühling?«
»Leck mich am Arsch. Frühling ist geil. Das Bier schmeckt frischer, die Kippen luftiger, Altes wird losgelassen, Neues kommt.«
»Wurde der Hartz-4-Satz um 50 Cent raufgesetzt?« Diese Euphorie kommt mir spanisch vor.
»Dein Materialismus kotzt mich an, Bresser. Deine Millionen nützen dir im Himmel nichts, oder wo auch immer du nach deinem Ableben auflaufen wirst. Wahrscheinlich gibt es ein Ressort für schwarze Seelen, wo sie dich und andere halbseidene Schreiberlinge wie Grass und Jaud für alle Ewigkeit Entschuldigungen auf Schiefertafeln kritzeln lassen: Ich schreibe keine schlechten Bücher mehr.«
»Ich wusste gar nicht, dass du überhaupt liest. Außer der BILD. Mal was Anderes: Warum trägst du eigentlich keine Socken?«
»Du stellst blöde Fragen, Bresser. Dieser Franziskus aus Rom wanderte die Straße entlang und wollte mir die Füße waschen. Der Bursche ist nicht dumm. Das hatte ich schon lange nötig.«
Horst Lügengeschichten nerven.
»Ich habe nirgendwo gelesen, dass sich der Papst in Hannover aufhält. Und warum sollte er ausgerechnet dir die Latscher säubern? Ein Achter im Lotto wäre da realistischer.«
Horst steckt sich eine Rot Händle an.
»Franziskus reist inkognito. Der legt keinen Wert auf Prunk und Presse. Du stehst im Aldi beim Bierregal, da kann dir Franziskus auf die Schulter klopfen und dich segnen. Du bist kurz davor, deine Kippe in die Botanik zu schmeißen. Auf einmal sieht dich Franziskus gütig an, und du schnippst sie lieber in den nächsten Abfalleimer. Der ist ein Guerilla-Pope, hat er mir erzählt. Ein echt Netter, nimm dir mal ein Beispiel an dem.«
»Will er sich denn auch um die dringenden Fragen der Gläubigen kümmern? Zölibat, Rolle der Frau, Verhütung oder Kindesmissbräuche?«
Horst knippst mit den Zähnen den Kronkorken einer Herri-Flasche ab.
»Du langweilst mich. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Das haben Franziskus und ich beschlossen.«
»Ihr Beide? Ich wusste nicht, dass du gläubig oder sogar katholisch bist.«
»Manchmal bist du einfach komisch, Bresser. Natürlich bin ich nicht gläubig. Katholisch schon gar nicht. Aber ich stehe auf nette Leute. Sich den Menschen widmen, die im Leben Pech gehabt haben. Da kriegt der Franziskus seine Chance, auch wenn er Papst ist. Wie sieht es mit dir aus, Bresser? Es ist Frühling. Darf ich dir die Füße waschen?«
»Moin Horst, genießt du den Frühling?«
»Leck mich am Arsch. Frühling ist geil. Das Bier schmeckt frischer, die Kippen luftiger, Altes wird losgelassen, Neues kommt.«
»Wurde der Hartz-4-Satz um 50 Cent raufgesetzt?« Diese Euphorie kommt mir spanisch vor.
»Dein Materialismus kotzt mich an, Bresser. Deine Millionen nützen dir im Himmel nichts, oder wo auch immer du nach deinem Ableben auflaufen wirst. Wahrscheinlich gibt es ein Ressort für schwarze Seelen, wo sie dich und andere halbseidene Schreiberlinge wie Grass und Jaud für alle Ewigkeit Entschuldigungen auf Schiefertafeln kritzeln lassen: Ich schreibe keine schlechten Bücher mehr.«
»Ich wusste gar nicht, dass du überhaupt liest. Außer der BILD. Mal was Anderes: Warum trägst du eigentlich keine Socken?«
»Du stellst blöde Fragen, Bresser. Dieser Franziskus aus Rom wanderte die Straße entlang und wollte mir die Füße waschen. Der Bursche ist nicht dumm. Das hatte ich schon lange nötig.«
Horst Lügengeschichten nerven.
»Ich habe nirgendwo gelesen, dass sich der Papst in Hannover aufhält. Und warum sollte er ausgerechnet dir die Latscher säubern? Ein Achter im Lotto wäre da realistischer.«
Horst steckt sich eine Rot Händle an.
»Franziskus reist inkognito. Der legt keinen Wert auf Prunk und Presse. Du stehst im Aldi beim Bierregal, da kann dir Franziskus auf die Schulter klopfen und dich segnen. Du bist kurz davor, deine Kippe in die Botanik zu schmeißen. Auf einmal sieht dich Franziskus gütig an, und du schnippst sie lieber in den nächsten Abfalleimer. Der ist ein Guerilla-Pope, hat er mir erzählt. Ein echt Netter, nimm dir mal ein Beispiel an dem.«
»Will er sich denn auch um die dringenden Fragen der Gläubigen kümmern? Zölibat, Rolle der Frau, Verhütung oder Kindesmissbräuche?«
Horst knippst mit den Zähnen den Kronkorken einer Herri-Flasche ab.
»Du langweilst mich. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Das haben Franziskus und ich beschlossen.«
»Ihr Beide? Ich wusste nicht, dass du gläubig oder sogar katholisch bist.«
»Manchmal bist du einfach komisch, Bresser. Natürlich bin ich nicht gläubig. Katholisch schon gar nicht. Aber ich stehe auf nette Leute. Sich den Menschen widmen, die im Leben Pech gehabt haben. Da kriegt der Franziskus seine Chance, auch wenn er Papst ist. Wie sieht es mit dir aus, Bresser? Es ist Frühling. Darf ich dir die Füße waschen?«
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