Montag, Juni 03, 2013

Horst geht nach Bayern

Es gibt Dinge, die gibt es nicht. Gibt es sie doch, sollte es sie nicht geben. Als ich Horst eine Tüte Tomaten aus unserer Biokiste vorbeibringe, empfängt mich eine akustische Dusche aus bayrischer Blasmusik. Mir quillt vor Schmerz das Schmalz aus den Ohren. Horst tanzt in einer Krachledernen Schuhplattler. Seine blaue Joggingjacke hat er gegen eine von Bayern München ausgetauscht.


»Moin, Horst. Was soll dieses ekelhafte Outfit?«, brülle ich.

Widerwillig drosselt Horst die Folterklänge.

»Was ist? Siehst du nicht, dass ich beschäftigt bin!«



»Was machst du da?«

»Liegt doch auf der Hand. Die Bayern haben Mario Götze verpflichtet, nun wollen sie mich auch. Daher versuche ich, mich in die süddeutsche Lebensart einzuleben. Schwierig, ich mag einfach kein Weizenbier.« Er steckt sich eine Roth Händle an und nippt am Herri.

»Götze ist ein Fußballsöldner.«

»Du Depp. Die Karriere des Jungen dauert doch maximal 15 Jahre. Da muss es zusehen, wo er bleibt. Wenn Bayern ihm zwei Millionen mehr im Jahr zahlt, braucht er nach Feierabend keine Pizza mehr auszufahren.«

»Und was wollen die mir dir? Du kickst doch ziemlich suboptimal, selbst passiv. Nach einer Dopingprobe dürftest du lebenslang gesperrt werden.«



Horst schaut mich verzweifelt an.

»Bresser, dein Hirn ist leerer als die Bitterfelder Vergnügungsmeile. Seit wann spielt die ARGE Fußball? Ich soll mich in München als bedürftig melden. Die zahlen die höchsten Hartz-Tantiemen, sagt mein Fallmanager. Dafür könne ich mir vier Kästen Herri zusätzlich leisten.«

»Du bist manchmal ganz schön naiv, Horst. In München sind die Lebenshaltungskosten wesentlich höher als in Niedersachsen. Deshalb bekommst du mehr. Wenn du einmal durch Schwabing bummelst, ist dein Monatseinkommen aufgebraucht.«

»Bei deinen verzweifelten Gegenargumenten, könnte ich fast glauben, dass dir etwas an mir liegt. Aber darauf falle ich nicht rein. Mein linker Zeh hat mir geflüstert, dass du jämmerlicher Gutmensch meine Butze als Gemüselager anmieten willst.«

Ich atme auf.

»Also bleibst du?«



»Ich bin nicht käuflich. Wenn die mir einen Job als Leergutsammler oder Chefkomiker des Bayrischen Rundfunks angeboten hätten, würde ich vielleicht umziehen. Das würde mich erfüllen. Glück ist keine Frage des Geldes oder des Wohnorts sondern des inneren Friedens.«

»Und du bist glücklich?«

Horst entzündet eine Roth-Händle und umhüllt seinen Körper mit Rauch.

»Wer sich so gründlich wie ich mit dem Delirium beschäftigt, begegnet unweigerlich Gott. Und die junge Dame hat mir erzählt, dass alles gut ist. Bei Götze und mir. Nur die ARGE besitzt Optimierungspotenzial. Genug gequatscht. Ich meditiere jetzt eine Runde. Prost, Bresser.«

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