Samstag, März 08, 2008

Urlaub in Hannover II - oder: der Kaffee muss in den Hals

Die Großstadt, z.B. Hannover, hat viele Vorteile, aber auch gewaltige Nachteile. Zu diesen gehört zweifellos die Erfindung des Coffee to go. Ihr werdet jetzt stirnrunzelnd vor den Rechnern sitzen und euch fragen: Was ist los, Nannen? Du liebst doch Macchiato und jegliche Variaton des bitteren Gebräus?

Bien sur, yes, ja. Absolut. Ich liebe es gemütlich in der Bulderner Bäckerei zu sitzen und bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Apfelstreusel über Gott und das Universum zu philosophieren. Nicht, dass Mandy aus Opladens Backstübchen viel dazu beizutragen hätte, aber ich hör mich gerne selber reden.

Hier in Eitsch-Town läuft das so. Michael meinte: „Dieter, größter Herzensbrecher der westlichen Hemisphäre. Kannst morgen länger schlafen. Wir schauen uns die Herrenhäuser Gärten an. Da frühstücken wir nicht groß, sondern nehmen Brötchen und Coffee to go aus der Backstube mit.“

Hab ich mir nix bei gedacht. Machen wir Münsterländer nicht. Aber bin ja ein zu allen Seiten offener Kerl. Also bis acht Uhr dreißig geratzt, Körper mit Wasser benetzt, in Klamotten geschlüpft und raus auf die Straße. Also das ging mir schon alles zu schnell. Hab mir den Essener Rhythmus abgewöhnt und Gefallen an dem behäbigen Durch-den-Tag-Schlendern der Region der Kühe und Wildpferde gewöhnt.

Rein in den Back-Shop. Fricko- und Käsebrötchen in die Tüte. Dann Problem: Der Kaffeeautomat streikte. Micha: „Dann müssen wir den Kaffee ausfallen lassen.“ – Nee, nicht mit Nannens Dieter. Morgens mag ich, brauch ich, will ich meinen Kaffee. Da gibt es keine Ausnahme. Michael und Steffi stürmten bereits zur Straßenbahn vor. Warum diese Hektik? Auch ne Stunde später leuchtet Gottes Planet voll Liebe und verheißungsvollen Abenteuern. Zumindest in Nannens Welt.

Als der Apparat funktionierte hatte ich einen kochend heißen Macchiato, einen glühenden Cappuchino für Steffi und einen Milchkaffe für Michael in den Händen. Langsam steckte mich die urbane Hektik an. Aus dem Laden gestürzt und… Ja, dann kam dieser Fahrradfahrer auf dem Bürgersteig. Abgerissene Gestalt, bedrohlich, angsteinflössend. Ich rettete mich mit einem Sprung zur Seite vor einem längeren Krankenhausaufenthalt. Den Kaffee nicht. Die heiße Soße landete auf meiner Designerjeans und dem kalten Hannöverschen Asphalt.

Die Lust auf Kaffee war mir gründlich vergangen. Aber meine Stimmung sollte im Laufe des Tages unterirdisch bleiben. Ich ohne Koffeindoping, das geht gar nicht.

Und so ein Malheur wäre in Opladens Backstübchen in Buldern-City nicht passiert. Da wird der Kaffee an den Tisch geliefert und die Zeit verlangsamt sich. Genuss pur. Du schmeckst jede Bohne, die ein euphorischer kolumbianischer Kaffeebauer nur für Dieter geerntet hat. Du riechst, die feine Röstung eines edlen Hamburger Kaffee-Kontors und wirst im kleinen Buldern ein Teil der Kette, welche die Welt umspannt. Ist halt international. Der Kaffee to go ist für mich eher Bestandteil der Mac-Schnelllebigkeitskultur. Im rauen Wind der Großstadt fällt es mir schwer, Aroma und Geschmack zu genießen. Aber vielleicht liegt das auch nur an mir.

Read me next week oder wie wir Westfalen fachsimpeln: Wat mut, dat mut.

Euer Dieter

Keine Kommentare:

Blog-Archiv