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Donnerstag, April 11, 2013

Angie Merkel ist heiß

Ich streife durch die Stadtbibliothek und treffe Horst im Lesesaal. Er studiert intensiv die BILD.


»Moin, Horst. Was macht die Liebe?«

»Meinst du Sarah? Wir bleiben Freunde. Die wollte mich auf alkoholfreies Bier umstellen. Habe ich einen Tag versucht, dann habe ich Fussel im Bauchnabel bekommen. Das fand Sarah unattraktiv. Ich sollte meinen Körper mit Möhrensaft von innen reinigen. Die enthalten... auch kein Wasser, behauptet sie. Leider regiere ich auf Gemüse auch allergisch. Beim kleinsten Fitzel Grünzeug rezitiere ich Gedichte von Janosch Glicklich.«

»Janosch wer?«

»Ein polnischer Dichter, der seine Gedichte nach Mitternacht und zehn Flaschen Wodka aus dem Kopf gequetscht hat.«

»Lass hören.«

»Das willst du nicht wirklich. Sarah jedenfalls hat es nicht ausgehalten und ist geflüchtet. Jetzt bin ich wieder auf der Suche.« Er zeigt auf ein Foto. »Die Merkel finde ich nicht schlecht.«



»Das ist doch nicht dein Ernst. Die Frau ist verheiratet, hat Enkelkinder. Außerdem lässt sie Drohnen skrupelloser als Mata Hari morden. Röttgen, zu Guttenberg, Brüderle. Vertraute dieser Frau brauchen keine Feinde.«

»Du bist ein Waschlappen, Bresser. Das reizt mich doch gerade. Die Frau braucht einen Partner auf ihrem Niveau.«

»Und das bist du?« Andere Besucher des Lesesaals tuscheln. Ein Schüler fotografiert meinen Nachbarn mit dem Handy. Horst kippt sich Bier aus einer Thermoskanne in die Tasse.

»Wer sonst? Ich habe noch nie bei einer Dissertation geschummelt, bin nie aus Düsseldorf geflüchtet. Selbst für die Dauerkrise der FDP bin ich nicht verantwortlich. Leider.«



»Und war versprichst du dir von einer Beziehung mit Angela? Es gibt doch Millionen nettere Frauen.«

Horst steckt sich eine Rot Händle in den Mund.

»Hier ist Rauchverbot«, zischt ein Rentner. Horst zwinkert ihm zu.

»Ich bin Herr Merkel, der Mann der Kanzlerin.«

»Und wenn Sie Obama persönlich wären, hier wird nicht geraucht.«

Horst steckt die Zigarette wieder in die Schachtel.

»Die Welt ist nicht bereit für Horst Merkel. Wenn ich wenigstens von Angies Macht profitieren würde.« Er blickt auf das Wettergirl der BILD. »Eigentlich ist Krankenschwester Jacky aus Bitterfeld auch heißer.«



»Also suchst du dir eine andere Frau?«

»Vielleicht. Angie hat viele Qualitäten. Wir werden unzählige Nächte über Atomphysik und Politik schnacken. Macht und Russ-Meyer-Erotik brauche ich nicht. Nur Angie, Bier und intelligente Gespräche. Dann wird das was mit Deutschland.«

Sonntag, März 31, 2013

Das Ende der FDP



Wir machen uns Sorgen um Horst. Das Jobangebot der ARGE auf Zypern hat den Guten mehr geschafft, als er zugeben würde. Nach dem Ostereisuchen mit Frau und Sohn stiefele ich eine Etage höher.
Die Wohnung ist kaum wiederzuerkennen. Die Ecke mit Pfandflaschen, also die komplette Wohnung, ist aufgeräumt. Alles blitzt vor Sauberkeit und duftet nach Sagrotan mit Frühlingsduft.
Auf dem Wohnzimmertisch steht eine dampfende Kaffeetasse. Seltsam. Dann erschnuppere ich das Whiskyaroma. Gut, alles in Ordnung.

»Moin, Horst. Ich habe dir ein paar Eier mitgebracht. Sollst nicht leben wie ein Hund.«
»Für Eier habe ich keine Zeit. Ich befinde mich auf einer Mission.«
»Pardon?«
»Du hast richtig gehört. Ich brauche wirklich einen Job. Ich habe Stellenanzeigen gesichtet. Mein Entschluss steht fest: Ich werde Bundesvorsitzender der FDP.«

Ich werde ärgerlich. »Horst, man macht keine Witze auf Kosten der Schwächeren. FDP-Gags sind genauso unlustig wie die Ostfriesenscherze der 1980er. Warum mag Brüderle keine Brezeln? Weil er den Knoten nicht aufbekommt. Witzig ist anders. Man prügelt nicht auf jemanden ein, der schon mitten im Dreck liegt.«

Horst zündet sich eine Dunhill-Zigarette an.
»Es ist mein vollkommener Ernst. In der BILD stand, sie suchen einen Wirtschaftsexperten, wenn Rösler geschasst wird. Da bringe ich mich in Position. Als Rettungsanker.«
»Und, was verstehst du von Wirtschaft? Du kannst doch keine GmbH von einer AG unterscheiden.«
»Ich weiß nicht, warum ich mir dein dummes Gelaber immer anhöre, Bresser. Ich kenne Plümmecke, Treibhaus  und Charlies Eck besser als die Fussel in meinem Bauchnabel. Ich bin der niedersächsische Wirtschaftsexperte! Den Rösler habe ich noch in keiner Kneipe getroffen. Für einen Wirtschaftsminister ein Armutszeugnis.«

»Okay, du bist qualifiziert. Aber Politik ist ein dreckiges Geschäft. Versuche es doch mit etwas Seriöserem: Heiratsschwindler oder Bankräuber.«
»Alter, ist doch alles Taktik. Erst mache ich auf linientreuer Liberaler. Dann senke ich nur Branntwein- und Tabaksteuer, zwinge aber Konzerne, ihre Gewinne in Deutschland zu versteuern. Da helfen auch keine Leihstimmen der CDU, um die FDP über ein halbes Prozent zu hieven.«
»Aber dann wärst du wahrscheinlich wieder arbeitslos.«
Horst kippt sich Whiskey in die Kaffeetasse und überlegt.

»Stimmt. Aber dann könnte ich mir mehr Kippen und Bier von meiner Stütze leisten. Und hätte noch ein gutes Werk getan.«

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