Donnerstag, Dezember 29, 2005

05

Dieses Jahr war bei mir persönlich einerseits von grossen Erfolgen, sprich zwei Veroeffentlichungen gepraegt. Da es aber momentan nicht moeglich ist, von den Ertraegen zu leben, war ich gezwungen, nach meinem unfreiwilligen Ausscheiden aus der Trocknungsbranche, mich anderweitig zu verdingen.

Leichter gesagt als getan. Ich spare mir eine detaillierte Aufzaehlung aller Bemuehungen. Der Hoehepunkt meiner beruflichen Laufbahn war allerdings mein letzter Arbeitgeber.

Um der Tristesse der Arbeitslosigkeit zu entgehen, heuerte ich bei einem Callcenter an, der Produkte für namhafte Telekommunikationsunternehmen vertreibt. Die Stelle war leicht zu kriegen. Als ich sagte, ich wolle arbeiten, interessierten weder Lebenslauf noch vorherige Zeugnisse. Allerdings erinnerte der Vertrag dann an moderne Sklavenhaltung. Die Schulung zu Beginn wird nur bezahlt, wenn der Arbeitnehmer drei Monate im Unternehmen arbeitet. Kuendigungsfrist sofort. Ich hielt es gar nicht fuer moeglich, dass eine fristlose Kuendigung in Deutschland gesetzlich moeglich ist. Ist sie aber, wie ein Kumpel, der als Anwalt fuer Arbeitsrecht Experte ist, feststellte. Entscheident ist die Ueberschrift "Aushilfsvertrag". Dann obliebt es dem Arbeitnehmer vor Gericht zu beweisen, dass ein laengerfristiges Arbeitsverhaeltnis geplant war, was praktisch unmoeglich ist.

Nun ja. Es ging darum, Kunden einen neuen Festnetzanschluss zu verkaufen. Dabei hiess es von Seiten der Teamleitung, vollkommen locker zu sein. Bei dem schwierigen Produkt muesse man mit Neins leben koennen. Sah ich auch so.

Ich habe von der Teamleitung an die zehn Gespraeche vorgefuehrt bekommen, von denen keines zum Auftrag fuehrte. Am Anfang lief es relativ mau, zwei bis drei Auttraege pro Tag. Letzte Woche Freitag stellte mit vier Auftraegen den Hoehepunkt dar, was mich optimistisch fuer die Zukunft stimmte.

Am Dienstag wurde ich allerdings zur Personalleitung berufen und ahnte bereits Boeses. Dort wurden mir meine Statistiken der gesamten Woche vorgelegt. Nach Aussage des Personalleiters wird von den Mitarbeitern erwartet, bei vier Anrufen eienn zum Abschluss zu fuehren. Davon war ich natuerlich meilenweit entfernt. Es war ja auch die erste Woche. Es gab da wirklich Typen, bei denen jeder zweite Anruf ein Auftrag war. Fragt mich nicht, wie die das gemacht haben. Fuer ein Kundengespraech wurde dem Verkaeufer auch nur dreieinhalb Minuten zugestanden. Du musst also die Kunden anrufen und die muessen nach Abschmettern des zweiten Einwands "Ja, ich will!" sagen.

Jedenfalls eroeffnete mir der Personalleiter, dass man kurzfristigen Erfolg brauche und der mit mir nicht geaehrleistet sei. Mein Hinweis, dass es ja meine erste Woche sei und dass vier Auftraege am Freitag doch eine Steigerung sei, ignorierte er. Und damit war das Kapitel bereits nach einer Woche erledigt. Bemerkenswert ist noch, dass man zwar nach Stunden bezahlt wird, diese aber nicht mit den tatsächlich geleisteten Stunden uebereinstimmen. So arbeitete eine Kollegin ohne Pause fuenfeinhalb Stunden; ihre Uhr auf dem Rechner zeigte aber nur viereinhalb Stunden an. Als sie die Teamleitung darauf aufmerksam machte, erhielt sie den Laufpass.

Fazit: Es ist wirklich traurig, was man momentan fuer Stellen angeboten bekommt und dass Arbeitgeber mit solchem unserioesem Verhalten durchkommen. Allerdings glaube ich auch nicht, dass man mit einer derartigen Arbeitsweise langfristigen Erfolg erzielen kann. Gerade beim Verkauf sind zufriedene Mitarbeiter enorm wichtig, denn der Kunde merkt es, wenn der Verkaeufer wie ein gepruegelter Hund nur den Abschluss will und ihm die Kundenbeduerfnisse am Allerwertesten vorbeigehen.

In diesem Sinne auf ein besseres Jahr 06.

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